Der DAX hat bei den von uns beobachteten Private Bankern momentan Konjunktur, aber eher als Negativ-Instrument. Auf Platz eins der Liste der relativ stärksten Käufe (gemessen an der Depotgröße) steht mit einem Anteil von 5,32 Prozent ein 2 x Short-Papier auf den Index. Hierbei ist allerdings auch zu bedenken, dass dasselbe Papier auch in der Verkaufsliste ganz oben steht. Dahinter verbirgt sich eine Ein-Tagesspekulation auf einen DAX-Einbruch. Ein Frankfurter Verwalter kaufte das Zweifach-Shortpapier am 29.09. für fast eine Viertel Million Euro ein und verkaufte es am Tag drauf wieder (für ein paar tausend Euro weniger). Offenbar schätzte man das Aufwärtsrisiko des Index geringer ein als die Abwärtschance.
Solche Spekulationen sind im Private Banking nicht sehr üblich und werden nicht oft beobachtet. Allerdings zwingt die Niedrigzinsphase zu ganz neuen Überlegungen, vor allem, wenn auch die längerfristigen Long-Positionen am Aktienmarkt nicht mehr genug Rendite versprechen. Auch der zweite DAX-Shorter in der Rangliste, ein Turbo Short-Zertifikat der Commerzbank, lässt auf eher kurzfristiges Timing-Motiv schließen. Das Papier wurde nach dem Kauf am Dienstag der vergangenen Woche immerhin im Wochenverlauf gehalten. Nicht nur der DAX wurde verkauft. Andere Verwalter setzten auf sinkende Kurse im Euro-Stoxx-Bereich.
Die Tatsache, dass die Verwalter nicht etwa die Long-Positionen verringerten, sondern bislang überwiegend mit Turbo-Short Papieren auf den VW-Schock reagieren, zeigt übrigens, dass sie den Vorgang für vorrübergehend halten und an der kleinen (oder größeren) Delle verdienen wollen. Dabei wird allerdings schon angenommen, dass die Schockwellen über Wolfsburg hinausreichen und den deutschen und den europäischen Aktienmarkt tangieren könnten.
Wie schon erwähnt, gibt es ein erstaunlich hohes Interesse an britischen Aktien, das sich auch in den Ranglisten widerspiegelt. Neben Ryanair findet sich der Brauereiwert SAB. Der erregt im Moment Aufmerksamkeit, weil sich SAB einem Übernahmeangebot des weltgrößten Brauereikonzerns Ab Inbev gegenübersieht. Das Hin und Her über die Übernahme, – zuletzt wurde spekuliert, dass das Management von SAB gegen die Übernahme arbeiten könnte – treibt allerlei Kurskapriolen hervor, an denen möglicherweise gut verdient werden kann. Wie hoch das Risiko von Einstiegen in dieser Phase ist, mussten jüngst allerdings die Anleger von K+S erfahren, die nach der Absage eines Übernahmegesuches 30 Prozent in wenigen Tagen verloren haben.
Abseits der Toplisten waren auch französische Werte sehr gesucht. Neben dem Luxuskonzern LVMH und Kone waren das etwa Papiere von Oreal. Bei Onvista.de gibt es zu dem Kosmetikkonzern zwei unterschiedliche Anlaystenurteile. Am 24.9. heißt es: „Die französische Großbank Societe General hat L’Oreal nach einer Investorenveranstaltung von „Hold“ auf „Buy“ hochgestuft, das Kursziel aber von 185 auf 172 Euro gesenkt. Der Fokus habe auf den Chancen der digitalen Strategie gelegen, schrieb Analyst Chas Manso in einer Studie vom Donnerstag. Der Experte sieht die Veränderungen positiv für die Margen, Gegenwind komme aber durch die Investitionen. Nach dem jüngsten Kursverfall sei das langsamere Branchenwachstum eingepreist.“ Am Dienstag vergangener Woche veröffentlichte dann JP Morgan ihre Analyse: „Die US-Bank JPMorgan hat das Kursziel für L’Oreal von 170 auf 150 Euro gesenkt, die Einstufung aber auf „Neutral“ belassen. Die Konzerne im Bereich Nahrungsmittel, Konsumgüter und Tabak dürften im dritten Quartal von niedrigen Vergleichswerten profitiert haben, schrieb Analystin Celine Pannuti in einer Branchenstudie vom Freitag. Die Expertin schraubte ihre Gewinnerwartungen für die Franzosen für 2016 um 2,1 Prozent zurück.“ Das Frankfurter Haus kaufte einen Tag später.

