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Ora­cle Corp 871460

Ora­cle: Ora­keln mit KI?

Auf unse­rer Kauf­liste der Berichts­wo­che steht eine am Frei­tag erfolgte Inves­ti­tion in Aktien des Soft­ware & Hardware-​​Anbieters Ora­cle. Das tra­di­tio­nelle Kern­ge­schäft des Unter­neh­mens, des­sen Name auf die Her­kunft aus einem CIA-​​Auftrag („Pro­ject Ora­cle“, so jeden­falls die Story) ver­weist, ist Soft­ware für rela­tio­nale Daten­ban­ken, die Groß­or­ga­ni­sa­tio­nen und Unter­neh­men nach­fra­gen.

Wie bei ande­ren Soft­ware­häu­sern auch – etwa SAP – stei­gen die Kun­den von Ora­cle vom Lizenz– auf das Abo-​​Modell um (SaaS; Software-​​as-​​a-​​Service). Anders als SAP hat Ora­cle jedoch ein Hardware-​​Standbein auf­ge­baut, das vor allem in einem welt­wei­ten Netz eige­ner KI-​​Rechenzentren besteht.

Ora­cle suchte für die eige­nen Daten­ban­ken in den 2000er Jah­ren eine geeig­ne­tere Hardware-​​Basis; nach einer nicht durch­ge­hend har­mo­ni­schen Koope­ra­tion mit HP erwarb man schließ­lich 2010 das für sein Java-​​Programm bekannte Soft­ware & Hardware-​​Unternehmen mit eige­ner Pro­zes­sor­reihe Sun Micro­sys­tems.

Etwas spä­ter kom­bi­nierte Ora­cle ver­netzte Hard­ware mit Soft­ware und schuf eine Rechner-​​Infrastruktur, die es dem Unter­neh­men dann auch ermög­lichte, rela­tiv schnell auf den KI-​​Zug auf­zu­sprin­gen. Als OpenAI und andere KI-​​Modell-​​Betreiber ab 2023 nach geeig­ne­ten Rechen­zen­tren such­ten, konnte Ora­cle nach ent­spre­chen­der Modi­fi­ka­tion Infra­struk­tur bereit­stel­len. Man scheint sich auch in der Fol­ge­zeit durch geschickte Schach­züge stra­te­gisch vor­teil­haft posi­tio­niert zu haben.

Ora­cle hat am Mitt­woch der Berichts­wo­che die Zah­len für das vierte Quar­tal 2026 vor­ge­legt, das am 31. Mai 2026 endete, so dass wir uns gegen­wär­tig im ers­ten Quar­tal des Fis­kal­jah­res 2027 befin­den – also immer der kon­ven­tio­nel­len Zeit vor­aus, auch das ein pro­gram­ma­ti­sches State­ment.

Der berei­nigte Umsatz über­traf nach einem Zuwachs von 21 Pro­zent gegen­über dem Vor­jah­res­quar­tal mit 19,2 Mrd. USD die mitt­lere Ana­lys­ten­schät­zung von 19,1 Mrd. USD ein wenig. Auch der Gewinn pro Aktie lag mit 2,11 USD über den Erwar­tun­gen der Ana­lys­ten, die mit 1,97 USD rech­ne­ten.

Schauen wir uns die Geschäfts­be­rei­che ein­zeln an.

Zunächst zum tra­di­tio­nelle Soft­ware­ge­schäft auf Lizenz­ba­sis; hier ging der Umsatz im vier­ten Quar­tal 2026 gegen­über dem in Q4/​2025 um 2 Pro­zent auf 6,8 Mrd. USD zurück. Die­ses Alt­ge­schäft hat zwar noch einen ver­hält­nis­mä­ßig hohen Anteil am Gesamt­um­satz des Unter­neh­mens, schrumpft aber im Trend, weil Kun­den zuneh­mend in die Cloud wech­seln.

Der Umsatz mit Cloud-​​Anwendungen über Abos (SaaS) legte zwar um 10 Pro­zent zu, blieb aber mit einem Betrag von 4,1 Mrd. USD hin­ter den Markt­er­war­tun­gen zurück.

Der Bereich für Cloud-​​Infrastruktur (IaaS) bzw. Rechen­zen­tren – der vom KI-​​Boom durch Ver­mie­tung von Rechen­leis­tung an OpenAI oder Meta beson­ders pro­fi­tiert – stei­gerte sich im vier­ten Quar­tal gegen­über dem Vor­jahr um 93 Pro­zent auf 5,8 Mrd. USD und blieb damit sogar über den ambi­tio­nier­ten Erwar­tun­gen des Mark­tes.

Das Dienstleistungs-​​Geschäft von Ora­cle kam auf einen Umsatz von 1,5 Mrd. (plus 13%) und mit Fest­plat­ten und Ser­vern (Hard­ware) setzte das Unter­neh­men im vier­ten Quar­tal 0,9 Mrd. USD (plus 9%) um.

Wie zu erwar­ten, lei­det Ora­cle nicht an Auf­trags­schwä­che. Aber dass sich der Auf­trags­be­stand um über 360 Pro­zent auf 638 Mil­li­ar­den Dol­lar stei­gerte, war dann doch selbst für viele optimistisch-​​fordernde Markt­be­ob­ach­ter über­ra­schend.

Die sich daran sofort anschlie­ßende Frage war jedoch: Kann Ora­cle die­sen Bestand auch bald in Umsatz umset­zen?

Hier gab der Aus­blick eine erste Ant­wort: Das Manage­ment bestä­tigte die „alte“ Umsatz­pro­gnose für das gesamte Geschäfts­jahr 2027 von 90 Mil­li­ar­den Dol­lar.

Wäre der Aus­blick nach oben kor­ri­giert wor­den und dabei eben­falls uner­war­tet hoch aus­ge­fal­len, hätte „der Markt“ wohl gedacht, dass die not­wen­di­gen Inves­ti­tio­nen sich sehr schnell und nahezu syn­chron bezahlt machen.

Denn zunächst sind sehr große Inves­ti­tio­nen erfor­der­lich – aller­dings ohne dass sich dies nach Ein­schät­zung des Manage­ments und vie­ler Beob­ach­ter sofort auf der Ein­nah­men­seite posi­tiv bemerk­bar machen wird. Ein gewis­ses Risiko ist also durch­aus vor­han­den.

Ora­cle plant für das Fis­kal­jahr 2027 Inves­ti­tio­nen im Wert von 40 Mrd. USD, finan­ziert über Fremd– und Eigen­ka­pi­tal. Davon soll die Hälfte durch Aus­gabe neuer Aktien am Markt ein­ge­spielt wer­den. Aber das bedeu­tet Ver­wäs­se­rung.

Dies und die stei­gende Schul­den­last sind bei unge­wis­sem Aus­gang Spaß­brem­sen für etli­che der stets unge­dul­di­gen Markt­teil­neh­mer in der Berichts­wo­che gewe­sen. Jeden­falls deu­tet dar­auf der Rück­gang des Kur­ses von 204 USD auf 177 USD nach Bekannt­gabe der Zah­len hin. Der­zeit (16.06.) steht der Kurs bei 190 USD.