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Bei­ers­dorf AG 520000

Pfle­gen und Kle­ben von dynas­ti­schem Kapi­tal: Bei­ers­dorf

In unse­rer Käu­fe­liste ist ein Erwerb von Beiersdorf-​​Aktien ver­zeich­net. Bei­ers­dorf musste im ers­ten Quar­tal 2026 Umsatz­ein­bu­ßen hin­neh­men, die grö­ßer waren als erwar­tet. In den ers­ten drei Mona­ten ging der Gesamt­um­satz des Kon­zerns nomi­nal um 7,7 Pro­zent auf 2,48 Mil­li­ar­den Euro zurück (orga­nisch ein Minus von 4,6%); erwar­tet wor­den waren 2,53 Mio. Euro.

Umsatz­rück­gänge gab es, dif­fe­ren­ziert nach Mar­ken, bei Nivea (inkl. Labello) (um 7,0% auf 1,344 Mil­li­ar­den Euro) und der Luxus­marke La Prai­rie (um 14,9% auf 109 Mil­lio­nen Euro). Bei Derma (Euce­rin & Aquaphor) stieg der Umsatz (um 8,2 % auf 459 Mil­lio­nen Euro).

Bei der Toch­ter „Tesa“ fiel der Umsatz um 4,3 Pro­zent auf 407 Mil­lio­nen Euro.

Den­noch rückte das Unter­neh­men nach Bekannt­gabe der Zah­len nicht von den Jah­res­zie­len ab, da nach Anga­ben des Vor­stan­des das erste Quar­tal kein Indi­ka­tor für das Gesamt­jahr sei.

Bern­stein Rese­arch hat in einer Bran­chen­ana­lyse vom Don­ners­tag der Berichts­wo­che das E-​​Commerce-​​Geschäfte euro­päi­scher Lebens­mit­tel– und Haushaltsprodukte-​​Hersteller im wich­ti­gen chi­ne­si­schen Markt als durch­wach­sen ein­ge­schätzt:

Reckitt habe erneut posi­tiv her­aus­ge­ragt. Bei­ers­dorf habe mode­ra­tes Wachs­tum ver­zeich­net. Hen­kel habe sich sta­bi­li­siert, bleibe aber auf schwa­chem Niveau. L’Oreal habe beacht­li­che Markt­an­teile gewon­nen. Uni­le­ver habe sich nega­tiv ent­wi­ckelt und auch Nestle habe erneut schwach abge­schnit­ten und erheb­li­che Markt­an­teile ver­lo­ren.“ (dpa-​​AFX Ana­ly­ser). Der zustän­dige Ana­lyst Cal­lum Elliott bewer­tete die Beiersdorf-​​Aktie wei­ter­hin mit Out­per­form und ließ auch das Kurs­ziel von 95 Euro unver­än­dert.

Die Mehr­heit der Ana­lys­ten scheint der­zeit für Hold zu plä­die­ren. Nach Anga­ben von Mar­ket­scree­ner gaben in jün­ge­rer Zeit von 20 Ana­lys­ten 10 eine Hold-​​Bewertung ab, 6 spra­chen sich für „Kau­fen“ und 2 für „Auf­sto­cken“ aus, sowie je einer für „Redu­zie­ren“ und „Ver­kau­fen“. Das durch­schnitt­li­che Kurs­ziel beträgt knapp über 88 Euro, der aktu­elle Kurs der Beiersdorf-​​Aktie liegt bei 72 Euro.

Im Bran­chen­ver­gleich gerade mit den Gro­ßen, etwa mit L’Oréal, ist Bei­ers­dorf ein deut­lich klei­ne­rer, hoch­spe­zia­li­sier­ter Player, der „Nischen“, ins­be­son­dere zum Wohle der stra­pa­zier­ten Haut, bespielt.

Bei Bei­ers­dorf ist zudem die Kom­bi­na­tion zweier hete­ro­ge­ner Geschäfts­fel­der ein immer wie­der­keh­ren­des Thema: Denn neben der Hautpflege-​​Sparte gehört zu Bei­ers­dorf auch noch die Toch­ter­ge­sell­schaft Tesa, die haupt­säch­lich Indus­trie­kle­be­pro­dukte ins­be­son­dere für den Auto­mo­bil­sek­tor und die Elek­tro­nik­bran­che (wie z.B. Smart­pho­nes) her­stellt.

Der Haupt­ge­schäfts­be­reich, das Haut­pfle­ge­ge­schäft, gehört zu den soge­nann­ten nicht­zy­kli­schen Basis­kon­sum­gü­tern. Der klei­nere Geschäfts­be­reich Tesa zählt zur zykli­schen Indus­trie­gü­ter­bran­che. Tesa folgt dem klas­si­schen Inves­ti­ti­ons­gü­ter– und Früh­zy­klus, bei dem die Nach­frage stark von glo­ba­len Kon­zer­nen in Auto­mo­bil­wirt­schaft und Elek­tro­nik abhängt.

Nicht nur akti­vis­ti­sche Inves­to­ren, son­dern auch viele Kapi­tal­markt­be­ob­ach­ter haben mit die­ser Kom­bi­na­tion ihre Schwie­rig­kei­ten. Sie bemän­geln feh­lende oder allen­falls geringe Syn­er­gien zwi­schen Klebe– und Haut-​​Produkten.

Hinzu kommt eine gewisse Nei­gung gerade bei insti­tu­tio­nel­len Inves­to­ren, eher „bran­chen­reine“ Bau­steine zu selek­tie­ren, die man dann je nach Stra­te­gie oder Tak­tik im Fonds-​​Portfolio nach eige­ner Wahl kom­bi­niert bzw. gewich­tet – man möchte nicht schon auf Unter­neh­mens­seite gewis­ser­ma­ßen starr vor­kom­bi­nierte Bran­chen­ver­bin­dun­gen. Das gilt ins­be­son­dere auch im Hin­blick auf die Kom­bi­na­tion von zykli­schen und nicht­zy­kli­schen Bran­chen, gerade wenn beide Geschäfts­fel­der syn­chron schwä­cheln, wie in die­sem Jahr.

Des­halb wird häu­fig argu­men­tiert, dass ein soge­nann­ter „Kon­glo­me­rats­ab­schlag“ auf der Beiersdorf-​​Aktie laste. Würde man hin­ge­gen Tesa abspal­ten und an die Börse brin­gen, so das Argu­ment, wäre die Summe der Bör­sen­werte der bei­den Teile höher als er der­zeit ist. Und somit böte eine Auf­spal­tung deut­li­che Vor­teile für Beiersdorf-​​Aktionäre.

Das Beiersdorf-​​Management ver­tei­digt hin­ge­gen die gewach­sene Struk­tur als Sta­bi­li­täts­fak­tor durch Risiko-​​Ausgleich.

Der eigent­li­che Grund für die Ver­tei­di­gung die­ser Fir­men­struk­tur scheint jedoch der Haupt­in­ves­tor, die Eigen­tü­mer­fa­mi­lie Herz zu sein, die über die Hol­ding Maxing­vest der­zeit wohl mit 53,17 Pro­zent Anteil auch die abso­lute Mehr­heit der Stimm­rechte bei Bei­ers­dorf hat. Sie ist für die Bei­be­hal­tung der Struk­tur mit Tesa. Hinzu kommt, dass Maxing­vest neben der Beiersdorf-​​Beteiligung eine 100 Prozent-​​Beteiligung an Tchibo hält.

Das spricht für eine lang­fris­tig aus­ge­rich­tete Stra­te­gie, mit der eine Unternehmer-​​Dynastie über Sachwert-​​Anlagen das Fami­li­en­ver­mö­gen über Gene­ra­tio­nen hin­weg zu erhal­ten und gegen Ein­zel­ri­si­ken abzu­si­chern bestrebt ist.

Dabei spie­len kurz­fris­tige Akti­en­kurser­wä­gun­gen und der häu­fig erwähnte Quar­tals­druck keine oder nur eine sehr beschränkte Rolle. Im Vor­der­grund ste­hen in der Regel in sol­chen Fäl­len andere Aspekte, wie der Sub­stanz­er­halt, Aus­schüt­tun­gen oder eine inter­ge­ne­ra­tio­nell aus­ge­rich­te­ten Steu­er­op­ti­mie­rung im Rah­men der eige­nen Unter­neh­mens­kon­struk­tion.