| Titel im Fokus | WKN |
|---|---|
| Alphabet Inc. –C– | A14Y6H |
Alphabet: Besonders gut in Tensorrechnung
In der Berichtswoche stellten fünf der glorreichen Sieben ihre Ergebnisse für das jüngste Quartal vor. In alphabetischer Reihenfolge waren das: Alphabet (Google), Amazon, Apple, Meta, Microsoft. Viele Beobachter bewerteten die erzielten Ergebnisse als gut.
Aber an der Börse wurden sie unterschiedlich bewertet: Die Kurse der Aktien von Alphabet und Amazon kletterten unmittelbar nach Bekanntgabe der Zahlen kräftig nach oben, der Apple-Kurs reagierte nur wenig, bei Meta und Microsoft zeigte der Kurspfeil nach unten. Kommentatoren führen dies insbesondere auf Unterschiede bei der „Monetarisierung“ von KI zurück, für die jeweils immense Investitionssummen verausgabt worden sind.
Wir konzentrieren uns im Folgenden auf die Aktie von Alphabet, die in unserem 4-Wochen-Favoriten-Ranking enthalten ist.
Alphabet erzielte im ersten Jahresviertel 2026 einen Gesamtumsatz von 109,9 Milliarden US-Dollar, das waren 22 Prozent mehr als im gleichen Vorjahresquartal. Der Nettogewinn stieg um 81 Prozent. Der Gewinn je Aktie (EPS) betrug 5,11 USD, erwartet worden waren 2,62 USD.
Damit übertraf Alphabet die Erwartungen der Analysten deutlich, die Aktie war stark nachgefragt, der Kurs kletterte um 7 Prozent nach oben.
Alphabets hervorragende Quartalszahlen waren in erster Linie Ergebnis einer unerwartet stark wachsenden Cloud-Sparte und einer als weitgehend erfolgreich beurteilten Integration von Künstlicher Intelligenz in den einzelnen Sparten.
Die Google Cloud wuchs um 63 Prozent und überschritt erstmals die 20-Milliarden-Dollar-Marke; der große Auftragsbestand im Wert von 460 Milliarden US-Dollar zeigt, dass es sich hierbei um kein Strohfeuer handelte. Innerhalb der Cloud-Sparte erwies sich wiederum KI als Wachstumstreiber: Das betrifft verschiedene Angebote für Unternehmen im Zusammenhang mit der Cloud wie auch Infrastrukturprojekte für Rechenzentren und insbesondere eigene KI-Chips, die sogenannten TPUs, die wesentlich zum Wachstum der Cloud-Sparte beitrugen.
TPU steht für Tensor Processing Unit. Dabei handelt es sich um Spezialisten unter den Computerchips, genaugenommen um Halbleiter-Rechenknechte, die von Google für KI-Anwendungen entwickelt worden sind. Im Gegensatz zu den hochflexiblen Zentralen Prozessoreinheiten, den CPUs, sind TPUs reine Fachidioten, die auf Matrizen-Multiplikation (bzw. 2-D-Tensoren) physikalisch festgelegt sind. Die auf lineare Algebra spezialisierte Hardware wird auch als „systolisches Array“ (entwickelt Ende der 1970er Jahre) bezeichnet. TPUs können nichts anderes, als riesige Datenmengen auf diese Weise zu verarbeiten.
Ein großer Vorteil ist, dass damit der Von-Neumann-Flaschenhals wegfällt. Das macht sie für KI-Anwendungen wie Bilderkennung oder Sprachverarbeitung weit schneller und effizienter als herkömmliche Chips, dafür sind TPUs für andere Aufgaben wenig bzw. nicht geeignet. TPUs werden insbesondere in den Rechenzentren von Google (Google Cloud) eingesetzt für Google-Suche, Google Photos oder die KI Gemini.
Auch das traditionelle Kerngeschäft von Alphabet – Suche und YouTube – überzeugte. Der Bereich „Search and Other“ wuchs um 19 Prozent. Die Furcht, KI würde die Suche „kannibalisieren“, erwies sich als unbegründet, denn KI wirkte sich für die Suche als Treiber aus: So führte die Einführung von AI Overviews (KI-Zusammenfassungen) zu rekordhohen Suchanfragen und KI verbesserte auch die werbebedingten Klickraten. Die Werbeerlöse stiegen um 13,5 Prozent, hier wirkte sich u.a. KI-gestützte Personalisierung aus.
Beobachter urteilten nach Bekanntgabe der Alphabet-Zahlen, dass die Befürchtung, KI-Investitionen würden nur Kosten verursachen, widerlegt worden sei. Produkte auf Basis generativer KI hätten gegenüber dem Vorjahr ein Umsatzwachstum von fast 800 Prozent erzielt.
Es zeigt sich bisher auch, dass die „AI Full Stack“-Strategie von Alphabet aufzugehen scheint. Mit „Full Stack“ ist in diesem Kontext gemeint, dass Alphabet die verschiedenen Ebenen der KI-Wertschöpfungskette größtenteils ins Unternehmen integriert, auch die Entwicklung und das Design der Hardware in Gestalt der TPUs (hergestellt werden diese vor allem bei TSMC). Damit wurde die Wertschöpfungstiefe im Software-KI-Hardware-Spektrum also massiv vergrößert. Offenbar ermöglicht der „Full Stack“-Ansatz Alphabet derzeit, die Kosten pro KI-Anfrage schneller zu senken, als dies der Konkurrenz gelingt.
