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Intel: Kurs­ein­bruch als Gele­gen­heit?

In unse­rer Kauf­liste der Berichts­wo­che ist ein Kauf von Aktien des Chip-​​Herstellers Intel ver­zeich­net. Intel hat am Don­ners­tag der hier zu bespre­chen­den Woche 44 die Zah­len für das dritte Quar­tal vor­ge­legt. Wäh­rend der Rück­blick auf Q3 im Hin­blick auf wich­tige aggre­gierte Kenn­zif­fern wohl zufrie­den­stellte, war vor allem der Aus­blick Grund für einen mas­si­ven Kurs­rutsch am Frei­tag der Berichts­wo­che.

Die Umsatz­zah­len für das dritte Quar­tal haben in etwa den Erwar­tun­gen der pro­fes­sio­nel­len Beob­ach­ter des Unter­neh­mens ent­spro­chen. Der Quartals-​​Umsatz betrug 16,5 Mil­li­ar­den US-​​Dollar und lag damit 21 Pro­zent über dem drit­ten Vorjahres-​​Quartal. Der Mit­tel­wert der Analysten-​​Prognosen belief sich nach Anga­ben von Brian Colello von Morningstar auf 16,3 Mil­li­ar­den US-​​Dollar („Intel: Unsere Ein­schät­zung der Aktie nach den Quar­tals­zah­len Intel“, Morningstar, 30.10.).

Colello schreibt jedoch in Bezug auf die kurz­fris­tige Unternehmens-​​Prognose: „Intel gab Anle­gern einen düs­te­ren (im Ori­gi­nal: ugly) Aus­blick, da die schwa­che CPU-​​Nachfrage und die höhe­ren Preise für Spei­cher­chips die Nach­frage dämp­fen.“

Intel rech­net für das aktu­ell lau­fende letzte Quar­tal 2026 mit einem Umsatz von 15,5 Mil­li­ar­den US-​​Dollar, wäh­rend die FactSet-​​Konsensschätzung, so Colello, vor dem Intel-​​Ausblick bei 17,3 Mil­li­ar­den US-​​Dollar lag. (Anm.: Fact­Set Rese­arch Sys­tems Inc. ist ein Unter­neh­men für Finanz­da­ten und ein­schlä­gige Soft­ware, das auch die Ein­schät­zun­gen von Sell-​​Side-​​Analysten in kom­pak­ter Zah­len­ge­stalt prä­sen­tiert.).

Zudem erwar­tet Intel für Q4/​2026 eine Hal­bie­rung des berei­nig­ten Gewinns pro Aktie (Non-​​GAAP EPS), der von 0,52 US-​​Dollar in Q3 auf 0,25 US-​​Dollar in Q4 ein­bre­chen soll.

Gründe des ent­täu­schen­den Intel-​​Ausblicks sind vor allem eine nach­las­sende Nach­frage nach PC-​​Prozessoren, zudem Lie­fer­eng­pässe, gestie­gene Speicherchip-​​Preise; auch sol­len in der Auf­trags­fer­ti­gung (Foundry) Groß­kun­den noch feh­len, obwohl die­ses Geschäfts­feld im 3. Quar­tal stark wuchs.

Der Aus­blick in der PC-​​Chip-​​Sparte ist in der Tat nicht rosig: Intel rech­net mit einem Rück­gang der PC-​​Prozessor-​​Verkaufszahlen im lau­fen­den Jahr um 12 Pro­zent und für 2027 um 10 Pro­zent. Das Pro­blem daran ist, dass Chips für PCs und Lap­tops für Intel nach wie vor eine zen­trale Rolle spie­len – auch wenn in den letz­ten Jah­ren Intel-​​Aktivitäten im Zusam­men­hang mit KI und der­glei­chen deut­lich stär­ker im Zen­trum der öffent­li­chen Wahr­neh­mung stan­den.

Colello schreibt, dass das PC-​​Geschäft in einem „nor­ma­len“ Quar­tal etwa die Hälfte oder noch mehr des Intel-​​Umsatzes aus­ma­che.

Die Leis­tun­gen der neue­ren und expan­die­ren­den Geschäfts­fel­dern für KI und Rechen­zen­tren weiß Colello durch­aus zu schät­zen: „Wir sehen Intels Server-​​CPU-​​Geschäft und die Nach­frage nach agen­ti­scher KI wei­ter­hin posi­tiv. Der Umsatz im Geschäfts­be­reich Rechen­zen­tren stieg im Ver­gleich zum Vor­quar­tal um 17 Pro­zent und im Ver­gleich zum Vor­jahr um 78 Pro­zent. Aller­dings ist Intel bei der Her­stel­lung von Server-​​CPUs und Sub­stra­ten wei­ter­hin mit Lie­fer­eng­päs­sen kon­fron­tiert, was das kurz­fris­tige Auf­wärts­po­ten­zial begrenzt.“

Ein wei­te­res Ereig­nis, das sich nega­tiv auf die Finanz­kenn­zif­fern im nächs­ten Halb­jahr aus­wir­ken wird, ist die schwere Explo­sion mit Brand in der Intel-​​Chipfabrik „Fab 28“ in Kirjat Gat in Israel am 14. Okto­ber, was zu einem zwei­wö­chi­gen Pro­duk­ti­ons­stopp führte. Intel-​​Finanzvorstand David Zins­ner schätzt, dass der dadurch bewirkte Umsatz­aus­fall bei ins­ge­samt 600 Mil­lio­nen US-​​Dollar liegt, ein Betrag, der sich hälf­tig auf das vierte Quar­tal 2026 und das ers­ten Quar­tal 2027 ver­tei­len soll.

Colello schreibt als Fazit sei­ner Ana­lyse für Morningstar: „Wir sen­ken unsere Fair Value-​​Schätzung für Intel, das über kei­nen Moat ver­fügt, von 105 auf 85 US-​​Dollar, da wir unsere kurz­fris­ti­gen Umsatz­pro­gno­sen für PC-​​CPUs nach unten kor­ri­gie­ren. Intels PC-​​Umsatz zeigte sich in der ers­ten Jah­res­hälfte 2026 trotz hoher Spei­cher­preise wider­stands­fä­hig, aber jetzt setzt die Abschwä­chung ein und trifft das Unter­neh­men hart.“

Am Diens­tag, 3.11.2026, wurde die Aktie im Bereich um 60,5 US-​​Dollar gehan­delt, nach­dem sie unmit­tel­bar vor Bekannt­gabe der jüngs­ten Finanz­leis­tungs­da­ten noch bei 92 US-​​Dollar gestan­den war.

Eine von uns erfasste Ver­mö­gens­ver­wal­tung nutzte den Absturz sogleich als Kauf­ge­le­gen­heit am Frei­tag. Dem liegt ver­mut­lich die Ein­schät­zung zugrunde, dass mit dem mas­si­ven Preis­ver­fall am Frei­tag alles „Schlechte“ schon ein­ge­preist wor­den ist, plus Ent­täu­schungs­ab­schlag.

Zwar senk­ten viele Ana­lys­ten ihre Kurs­ziele; im Mit­tel lie­gen diese aber wohl noch immer deut­lich über dem aktu­el­len Kurs, wobei „Hold“ die häu­figste Bewer­tung ist. Ein nicht nament­lich genann­ter Autor stellte auf der Finanz­platt­form Invezz in einem Arti­kel die Frage: „Ist Intel nach einem 26%-Rutsch nach Zah­len ein Kauf? Das sagen Ana­lys­ten“.

Mit „Ja“ beant­wor­tet die Frage Nicho­las Mugalli von World Trade Secu­ri­ties. Im Invezz-​​Artikel heißt es, dass Mugalli die Ange­wohn­heit der Inves­to­ren moniere, die kurz­fris­ti­gen Schwä­chen von Intel ins Zen­trum zu rücken und die län­ger­fris­ti­gen Chan­cen zu igno­rie­ren. Mit ande­ren Wor­ten: Mugalli kri­ti­siert eine Inves­tor Myo­pia, also eine Inves­tor­kurz­sich­tig­keit, für die er eine Brille anbie­tet, die sei­ner Mei­nung nach die­sen Seh­feh­ler kor­ri­giert.

Denn Mugalli wird im Arti­kel direkt wie folgt zitiert: „Wir glau­ben, der Markt bestraft das rich­tige Pro­blem mit dem fal­schen Zeit­ho­ri­zont. PCs wer­den sich erho­len. Ein Data-​​Center-​​Wachstum von 78% und eine Foundry mit 58% Wachs­tum sind die Zukunft die­ses Unter­neh­mens. Ein 20%iger Preis­rück­gang ist die schlechte Nach­richt. Er berück­sich­tigt nicht die Wende“. Mugalli bewer­tet die Aktie wei­ter­hin mit Over­weight bei einem Kurs­ziel von 130 USD.

Schauen wir noch kurz auf die Ent­wick­lung der Bran­che, der Intel zuzu­ord­nen ist, im Monat Okto­ber.

Intel gehört gemäß Glo­bal Indus­try Clas­si­fi­ca­tion Stan­dard, den MSCI ver­wen­det, zum Sec­tor „Infor­ma­tion Tech­no­logy“ und hier zur Indus­try Group „Semi­con­duc­tors & Semi­con­duc­tor Equip­ment“.

Gemäß MSCI-​​Angaben ver­lor „Infor­ma­tion Tech­no­logy“ im Okto­ber im Eurozonen-​​Index 9 Pro­zent, im World-​​Index 7 Pro­zent und im Emerging-​​Markets-​​Index 13 Pro­zent.

Geht man eine Glie­de­rungs­ebene tie­fer, wird nach Indus­try Groups dif­fe­ren­ziert.

„Soft­ware & Ser­vices“ gewann im Welt-​​Index 1 Pro­zent, in der Euro­zone 7 Pro­zent und in Schwel­len­län­dern 9 Pro­zent.

Die Indus­try Group „Tech­no­logy Hard­ware & Equip­ment“ gab in der Euro­zone 17 Pro­zent, im EM-​​Index 16 Pro­zent und im Welt­in­dex 2 Pro­zent nach.

Die Indus­trie­gruppe „Semi­con­duc­tors & Semi­con­duc­tor Equip­ment“ – der, wie gesagt, Intel ange­hört – ver­lor im Eurozonen-​​Index 14 Pro­zent, im EM-​​Index 12 Pro­zent und im World-​​Index 14 Pro­zent (jeweils in US-​​Dollar).