Titel im FokusWKN
AT & S 922230

Neu im Ram­pen­licht

In der Berichts­wo­che befand sich ein Ver­kauf von AT&S-Aktien in der Han­dels­liste unse­res für den News­let­ter auf­be­rei­te­ten Depo­t­aus­schnit­tes.

Das „Indus­trie­ma­ga­zin“ aus Öster­reich hob am 29.9.2026 in einem Arti­kel („AT&S über­holt Lenzing und FACC: Der erstaun­li­che Auf­stieg zum Repu­ta­ti­ons­füh­rer“) bereits ein­gangs her­vor, dass das Ram­pen­licht der Medien nicht gleich­be­deu­tend mit einer guten Repu­ta­tion sei. Und recht hat das Maga­zin, denn Skan­da­lö­ses, das den Ruf rui­niert, fin­det medial meist rei­ßen­de­ren Absatz als Tugend­haf­tes oder Repu­ta­ti­ons­för­der­li­ches.

Das Indus­trie­ma­ga­zin bezieht sich auf den aktu­el­len Reputations-​​Report der öster­rei­chi­schen Indus­trie: „Einige der sicht­bars­ten Kon­zerne des Lan­des kom­men auf Tau­sende mediale Erwäh­nun­gen – für einen Spit­zen­platz im Ran­king reicht deren Reich­weite allein jedoch nicht. Ent­schei­dend ist viel­mehr, mit wel­chen The­men ein Unter­neh­men öffent­lich wahr­ge­nom­men wird und wie posi­tiv oder nega­tiv diese Bericht­er­stat­tung aus­fällt.“

Ange­führt wird das Reputations-​​Ranking heuer „von einem Unter­neh­men, das im Vor­jahr noch nicht ein­mal in unmit­tel­ba­rer Nähe der Spitze lag: AT&S steigt von Platz 13 auf Rang eins. Dahin­ter fol­gen Lenzing, FACC, Voe­st­al­pine und Steyr Motors. ….

Der spek­ta­ku­lärste Auf­stieg des Jah­res gelingt AT&S. Der Lei­ter­plat­ten– und Sub­stra­ther­stel­ler springt von Rang 13 auf Platz eins. Beson­ders stark ist das Unter­neh­men in der Dimen­sion Inno­va­tion, wo es den Best­wert des gesam­ten Ran­kings erreicht. Auch in der Wirt­schaft­lich­keit liegt AT&S knapp unter dem Höchst­wert.“

Im Arti­kel heißt es wei­ter: „Bemer­kens­wert ist dabei die Ver­än­de­rung der media­len Erzäh­lung im Jah­res­ver­lauf“, d.h. die Ent­wick­lung der Bericht­er­stat­tung über AT&S seit Juli 2025. Damals hät­ten noch Ver­lust­mel­dun­gen und belas­tende Kos­ten­fak­to­ren domi­niert.

Bereits im Februar 2026 sei jedoch der kräf­tige Zuwachs bei Umsatz und EBITDA berich­tens­wert gewe­sen, im Mai sei dann der starke Kurs­an­stieg der Aktie in den Fokus gerückt.

Nun kann man sich fra­gen, was daran Erzäh­lung – modern: Nar­ra­tiv – sein soll, denn es sind ja eigent­lich gän­gige, objek­tive Unternehmens-​​Daten.

Dar­auf könnte man ant­wor­ten, dass ers­tens immer eine Selek­tion von Infor­ma­tio­nen erfol­gen muss, was Spiel­räume der Gestal­tung öff­net. Und dass zwei­tens ein quan­ti­ta­ti­ver Daten­punkt erst durch eine Mes­sung erho­ben und durch einen sinn­ver­lei­hen­den Kon­text in eine Infor­ma­tion ver­wan­delt wird.

Die­ser selek­tive Kon­text ist häu­fig ein Modell (ein­schließ­lich Mess­mo­dell) oder ein struk­tu­rier­tes Sinn­ge­bilde, in das expli­zite und noch mehr impli­zite Annah­men und Hin­ter­grund­vor­stel­lun­gen ein­ge­hen.

Und in einem sol­chen Dickicht lau­ert stets das Gespenst der Erzäh­lung (das gilt auch für jedes for­male Modell), die jeder­zeit auch anders aus­fal­len kann oder könnte.

Mehr Geschichte im Sinne von Story ver­spricht fol­gen­des Zitat aus dem Arti­kel des Industrie-​​Magazins: „Den größ­ten Repu­ta­ti­ons­schub lie­fert aller­dings die Inno­va­ti­ons­ge­schichte. Rund 60 Pro­zent der Inno­va­ti­ons­aus­sa­gen über AT&S ent­fal­len auf KI und Daten­ana­ly­tik.

In der Bericht­er­stat­tung erscheint der Kon­zern als Pro­fi­teur des Booms rund um künst­li­che Intel­li­genz, weil ein Groß­kunde ver­stärkt High-​​End-​​Substrate nach­fragt.“

Und damit sind wir schon etwas näher an die Gat­tung Erzäh­lung her­an­ge­rückt – bzw. an das Nar­ra­tiv, wie man in den Semi­nar­räu­men der Huma­nities sagt, aus denen die­ses Wort und die damit ver­bun­dene Denk­weise ent­strömt ist.

Typi­scher­weise netzt das eher MINTaf­fine Indus­trie­ma­ga­zin die eigene nar­ra­tive Steil­vor­lage nicht ein, indem es „objek­ti­vis­tisch“ schreibt: „AT&S zeigt damit exem­pla­risch, was Repu­ta­tion der­zeit beson­ders stark ver­än­dert: Nicht allein gute Geschäfts­zah­len, son­dern die Ver­bin­dung von wirt­schaft­li­cher Erho­lung mit einer plau­si­blen Zukunfts­tech­no­lo­gie.“

Den zwei­ten Satz des Zitats würde man bereits im Humanities-​​Proseminar als harm­lose Ingenieurs-​​Prosa ohne Sinn für den subversiv-​​strategischen Sinn von Sinn dekon­stru­ie­ren. Das Zitat könnte nach der fäl­li­gen Kor­rek­tur etwa so lau­ten:

“AT&S zeigt damit exem­pla­risch, was Repu­ta­tion der­zeit beson­ders stark ver­än­dert: Nicht allein die soziale Kon­struk­tion guter Geschäfts­zah­len, son­dern die Ver­bin­dung der domi­nan­ten dis­kur­si­ven Zuschrei­bung als wirt­schaft­li­che Erho­lung mit einem für sich kohä­rent fabri­zier­ten tech­no­fu­tu­ris­ti­schen Dis­po­si­tiv.“

So viel zur Frage der Erzäh­lung, des Nar­ra­tivs also, und auf was man sich dabei mög­li­cher­weise ein­lässt.

Kom­men wir nun zum Unter­neh­men selbst, zu AT&S aus Leo­ben, Stei­er­mark, Öster­reich.

Auf der Home­page des Unter­neh­mens erfah­ren wir: „Seit unse­rer Grün­dung 1987 sind wir zum füh­ren­den Anbie­ter von High-​​End-​​Leiterplatten und IC-​​Substraten gewor­den. Unsere Tech­no­lo­gien fin­den in allen Lebens­be­rei­chen Anwen­dung – vom Mobil­te­le­fon und Com­pu­ter über Fahr­zeuge, Indus­trie­ro­bo­ter und Medi­zin­tech­nik bis hin zum Flug­zeug und Satel­li­ten.“

Lei­ter­plat­ten tra­gen und ver­bin­den zugleich elek­tro­ni­sche Bau­teile. IC-​​Substrate sind Zwi­schen­trä­ger zwi­schen IC (Inte­grier­tem Schalt­kreis) und Lei­ter­platte. AT&S bie­tet ver­schie­dene Kate­go­rien von Lei­ter­plat­ten /​ Sub­stra­ten und Tech­no­lo­gien an, wie auch diverse damit zusam­men­hän­gende Dienst­leis­tun­gen.

Nähe­res dazu, all­ge­mein­ver­ständ­lich und kom­pakt erklärt, kann man auf der Home­page von AT&S erfah­ren, die Techno-​​Neugierige zum Schmö­kern ein­lädt.

Die Aktie des Unter­neh­mens hat um 9 Pro­zent an Tausch­wert zuge­legt. Und zwar an jenem Tag, an dem die­ser News­let­ter ver­fasst wurde, am 29.9.2026.

Über den letz­ten Monat waren es 41 Pro­zent. Über die ver­gan­ge­nen 6 Monate 165 Pro­zent. Seit Jah­res­be­ginn sind es 183 Pro­zent. Und seit einem Jahr 895 Pro­zent.

Die AT&S-Aktie ist damit der mit Abstand per­for­mance­stärkste Titel im öster­rei­chi­schen ATX, der in die­sem Jahr sowieso zu den stärks­ten (Leit-​​) Indi­zes Euro­pas gehört.

Donald Trump würde zur AT&S-Aktie, wäre er Aktio­när (er soll direkt nur in US-​​Titel inves­tie­ren, wie man liest), viel­leicht sagen: Fly baby, fly. Die von uns erfasste Ver­mö­gens­ver­wal­tung zog es in der Berichts­wo­che jedoch vor, mit einem Ver­kauf von AT&S-Aktien mas­sive Kurs­ge­winne jetzt zu ver­ein­nah­men.