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Ende der Soft­ware? Bei­spiel SAP

Der Kurs der SAP-​​Aktie hat in den ver­gan­ge­nen 10 Mona­ten im Trend deut­lich nach unten gezeigt. Lag der Preis der Aktie des Software-​​Konzerns etwa am 6.6. 2025 noch bei 273 Euro, dann steht er aktu­ell bei 148 Euro, das ent­spricht einem Kurs­ver­lust von 46 Pro­zent. Zuvor, also im Zeit­raum zwi­schen Herbst 2022 und Früh­jahr 2025, klet­terte der Kurs im Trend kon­ti­nu­ier­lich nach oben.

Am 23. April hat nun SAP die Daten zum ers­ten Quar­tal 2026 vor­ge­legt. Die Zah­len waren viel­fach bes­ser, als Ana­lys­ten im Durch­schnitt erwar­tet hat­ten; das galt für den Gewinn je Aktie von 1,66 Euro (Mitt­lere Ana­lys­ten­schät­zung: 1,64 Euro) und ins­be­son­dere für den Cloud-​​Zuwachs und den Auf­trags­be­stand.

Für SAP ist der Umstieg der Kun­den auf die Cloud essen­ti­ell, des­halb fand das Wachs­tum der Cloud-​​Erlöse um 27 Pro­zent beson­dere Beach­tung unter Ana­lys­ten. Der Aus­blick des Soft­ware­kon­zerns auf das lau­fende Jahr bekräf­tigte diese mode­rat posi­tive Grund­ten­denz.

Zwar haben etli­che Ana­lys­ten ihr Kurs­ziel gesenkt. Jedoch liegt die­ses nach Anga­ben von Mar­ket­scree­ner im Mit­tel mit 218 Euro immer noch deut­lich über dem aktu­el­len Kurs (rund 148 Euro). Dem­ent­spre­chend über­wie­gen Kauf­emp­feh­lun­gen – Mar­ket­scree­ner führt 28 Bewer­tun­gen an, davon 20 „Kau­fen“, 4 „Auf­sto­cken“, 4 „Hal­ten“.

Gold­man Sachs hat bei­spiels­weise am 27.4. das Kurs­ziel für SAP von 260 auf 230 Euro gesenkt, beur­teilt die Aktie jedoch nach wie vor als „Kauf“. Wie andere Ana­lys­ten auch, bewer­tet der zustän­dige Experte, Moham­med Moa­walla, den zu erwar­ten­den Umsatz mit Cloud­ver­trä­gen wei­ter­hin als robust.

Ähn­lich ist die jüngste Ein­schät­zung von Bar­clays (Kurs­ziel 220 Euro); posi­tiv wird unter ande­rem her­vor­ge­ho­ben, dass das SAP-​​Management auf Beden­ken im Hin­blick auf die KI ein­ge­gan­gen sei.

Die­ser Hin­weis bezieht sich auf unter Inves­to­ren zir­ku­lie­rende Befürch­tun­gen, Soft­ware jener Art, wie sie SAP anbie­tet, könnte bald durch KI ersetzt wer­den. Dar­auf hat CEO Chris­tian Klein argu­men­ta­tiv rea­giert, indem er am 8. April einen Arti­kel in der Finan­cial Times ver­öf­fent­li­chen konnte.

Klein zur sich aus­brei­ten­den Nie­der­gangs­these: „Man sagt, Soft­ware sei am Ende. Inner­halb weni­ger Wochen in die­sem Jahr ver­flüch­tig­ten sich Hun­derte Mil­li­ar­den Dol­lar an Markt­wert im Soft­ware­sek­tor. Der Akti­en­kurs von SAP fiel um 30 Pro­zent.

Ana­lys­ten behaup­te­ten, KI-​​Systeme wür­den ‚Soft­ware as a Ser­vice‘ (SaaS) – das Modell, bei dem Unter­neh­men für die Nut­zung cloud­ba­sier­ter Soft­ware ein Abon­ne­ment abschlie­ßen – ver­drän­gen. Inves­to­ren befürch­te­ten, Soft­ware­sys­teme wür­den sich in KI-​​basierte Modelle auf­lö­sen und so zu einem Ein­bruch der Bran­che füh­ren. Ihre Logik ist sim­pel: Wenn KI die Arbeit erle­di­gen kann, wozu braucht man dann noch Soft­ware?“

Klein for­mu­liert nun eine Gegen­these, die auf einer von ihm beob­ach­te­ten Regel­mä­ßig­keit bei jedem grö­ße­ren Platt­for­men­wech­sel beruht, die er dann auch am Bei­spiel des Über­gangs zum Cloud-​​Geschäft von SAP exem­pli­fi­ziert.

Das Mus­ter: Zunächst kon­zen­triere sich der Wert auf die unters­ten Ebe­nen: Rechen­leis­tung, Modelle, Infra­struk­tur. Mit der Zeit wan­dere der Wert zur Anwen­dungs­ebene. Beim Über­gang von Lizenz­soft­ware zu Cloud­lö­sun­gen für Abon­nen­ten sei bei SAP genau das zu beob­ach­ten gewe­sen. Schwie­rig sei dabei nicht die tech­no­lo­gi­sche Umstel­lung gewe­sen, son­dern die Auf­gabe, die in die­ser Frage risi­ko­aver­sen Unternehmens-​​Kunden von den Vor­tei­len der Cloud zu über­zeu­gen. Um lang­fris­tig vor­teil­haft auf­ge­stellt zu sein, habe man kurz­fris­tige Ein­bu­ßen in Kauf genom­men.

Klein über­trägt die­ses Mus­ter nun auf KI: „KI wird da keine Aus­nahme sein. Einige Unter­neh­men nut­zen die Tech­no­lo­gie bereits, um Pro­zesse zu auto­ma­ti­sie­ren und Arbeits­zeit zurück­zu­ge­win­nen. Viele andere tun sich jedoch schwer, ihre Tech­no­lo­gie­ex­pe­ri­mente in mess­bare, unter­neh­mens­weite Ergeb­nisse umzu­set­zen. Die Haupt­ur­sa­chen sind frag­men­tierte Daten, iso­lierte Pro­zesse, inkon­sis­tente Gover­nance und KI-​​Modelle, die an ver­al­tete Sys­teme ange­hängt wer­den.“

Kleinste Feh­ler könn­ten schon zu erheb­li­chen Ver­lus­ten füh­ren. Da KI noto­risch feh­ler­an­fäl­lig ist und gerne zum mun­te­ren Fabu­lie­ren neigt, birgt sie erheb­li­che Risi­ken für feh­ler­in­to­le­rante Anwen­dun­gen, wie sie SAP anbie­tet.

Um KI-​​Halluzinationen zu ver­mei­den, benö­tige man, so Klein, gerade jenes interne, spe­zi­fi­sche Wis­sen, das in der Soft­ware von Unter­neh­men ent­hal­ten ist bzw. pro­zes­siert wird. Das ist aber offen­bar zu gro­ßen Tei­len ein „idio­syn­kra­ti­scher“ Wis­sens­schatz, der nicht aus dem Inter­net oder der öffent­li­chen Kom­mu­ni­ka­tion extra­hiert wer­den kann.

Klein schloss den Arti­kel mit einer Anti­these zur These vom Ende der Soft­ware: „Soft­ware wird nicht ersetzt. Sie muss weit­aus mehr leis­ten.“

Stellt sich nur die Frage: Mehr als KI oder als (SAP-)Software bis­her?

Ob der Name „Joule“ des soge­nann­ten KI-​​Copiloten von SAP ein durch Ana­lo­gie­bil­dung zu ent­schlüs­seln­der Hin­weis dar­auf ist, wie die­ser Schluss­satz zu ver­ste­hen ist?

Joule ist die Basis­ein­heit für Arbeit bzw. Ener­gie. Die Basis von allem ist für zeit­li­che Wesen jedoch Arbeit/​Zeit, also Leis­tung, gemes­sen in Watt.

Klein spricht hier expli­zit die Leis­tung an. Wenn man nun aber Joule („KI“) noch mehr von sich sel­ber („KI“) zufügt, kommt nur Joule („KI“) her­aus. Es kommt also immer nur Arbeit her­aus. Dem­nach wäre zu schlie­ßen, dass sich Leis­tung auf Soft­ware bezieht, auch wenn SAP die eigene Soft­ware nicht als „Watt“ bezeich­net.

Die wei­tere kri­ti­sche Frage wäre dann aller­dings: gilt diese Ana­lo­gie gene­rell für alle KI oder nur für die SAP-​​KI Joule?