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iSha­res USD Ultras­hort Bond UCITS ETF A2JNLJ

US-​​Staatsanleihen: Zwei Ent­schei­der­grup­pen, zwei Sicht­wei­sen

Auf unse­rer Kauf­liste der Berichts­wo­che befin­det sich der iSha­res USD Ultras­hort Bond UCITS ETF, der den iBoxx USD Liquid Invest­ment Grade Ultras­hort Index im Sampling-​​Verfahren für eine Gestsamtkos­ten­quote von 0,09 Pro­zent nach­bil­det; der Index ent­hält ultra­kurze Anlei­hen mit Invest­ment Grade in US-​​Dollar, wobei die fest­ver­zins­li­chen Anlei­hen eine Rest­lauf­zeit von 0 bis 1 Jahr, die varia­bel ver­zins­li­chen eine von 0 bis 3 Jahre haben.

Da in die­sem Fonds auch varia­bel ver­zinste Anlei­hen ent­hal­ten sind, wird die Zin­selas­ti­zi­tät – d.h. die Reak­tion des Kur­ses auf eine Zins­än­de­rung – nicht durch die soge­nannte modi­fi­zierte Dura­tion, son­dern durch die effek­tive Dura­tion ermit­telt. Die effek­tive Dura­tion ist hier sehr gering, was bedeu­tet, dass eine Ver­än­de­rung des Markt­zin­ses den Anlei­he­kurs kaum beein­flusst.

Die Inves­ti­tion in die­sen Anleihen-​​ETF in der Berichts­wo­che erfolgte in einem Umfeld, in dem die US-​​Staatsverschuldung mit hoher Dyna­mik die 40-​​Billionen-​​Dollar-​​Schwelle über­schritt; zugleich zogen die Ren­di­ten lang­fris­ti­ger Staats­an­lei­hen seit Ende Juni kräf­tig an. US-​​Finanzminister Scott Bes­sent kün­digte in der Berichts­wo­che als Reak­tion auf diese Ent­wick­lun­gen an, lang­fris­tige Anlei­hen zu kau­fen – aller­dings ist das Volu­men Beob­ach­tern zufolge viel zu klein, um viel aus­rich­ten zu kön­nen.

Da stei­gende Markt­zin­sen die Kurse lang­lau­fen­der Anlei­hen nach unten drü­cken, bie­tet sich eine Anlage in einen ETF mit Kurz­läu­fern als Park­mög­lich­keit für Anleihe-​​Investoren an. Zumal die Ren­dite am „kur­zen Ende“ des US-​​Anleihen– bzw. –Geld­mark­tes rela­tiv hoch ist.

So ren­tiert eine 1-​​jährige Anleihe gegen­wär­tig mit 4 Pro­zent, eine über 6 Monate mit 3,8 Pro­zent. Dem­ge­gen­über ist bei lan­ger Lauf­zeit mit deut­lich erhöh­ten Kurs­ri­si­ken in Abhän­gig­keit von Zins­er­war­tun­gen und deren Bestim­mungs­grö­ßen zu rech­nen. Eine 10-​​jährige US-​​Staatsanleihe ren­tiert der­zeit (25.8.) mit 4,65, eine 30-​​jährige mit 5,18 Pro­zent – Letz­tere ren­tierte am 17.8. auch schon mit 5,30 Pro­zent.

Markt­be­ob­ach­ter wie­sen zudem dar­auf hin, dass viele Inves­to­ren vor dem Zentralbanker-​​Symposium vom 27. bis 29. August in Jackson-​​Hole eine vor­sich­ti­gere Gang­art gewählt hät­ten, da man sich von die­ser Kon­fe­renz neue Auf­schlüsse über die zukünf­tige Geld­po­li­tik der Fed erhofft.

Inso­fern kann man eine Ein­fahrt in einen ETF mit US-​​Kurzläufern in der Berichts­wo­che als Ein­fahrt in einen „siche­ren Hafen“ deu­ten.

Das ver­weist auf ein gene­rel­le­res „Phä­no­men“, das in der Berichts­wo­che von füh­ren­den Finanz­wis­sen­schaft­lern, aber auch in eng­lisch­spra­chi­gen Finanz­me­dien dis­ku­tiert wor­den ist.

Greg Ip schrieb bei­spiels­weise im Wall Street Jour­nal, dass „Der Sta­tus des US-​​Anleihemarkts als siche­rer Hafen schwin­det“ („The Tre­a­sury Market’s Cove­ted Sta­tus as a Safe Haven Is Fading“, 20.8., WSJ) und bezieht sich dabei auf zwei Stu­dien. Eine davon ist von Hanno Lus­tig (Stan­ford) und trägt den Titel „America’s Risky Debt: What Mar­kets See That Poli­cy­ma­kers Don’t“

Lus­tig stellt fest, dass die Märkte einer­seits und die poli­ti­schen Instan­zen ein­schließ­lich Fed ande­rer­seits der­zeit die Gescheh­nisse am Anlei­hen­markt auf Basis zweier unter­schied­li­cher Refe­renz– oder Deu­tungs­sys­teme beob­ach­ten und inter­pre­tie­ren.

Im Refe­renz­sys­tem von Geld­po­li­tik und Finanz­po­li­tik (und Regu­lie­rungs­be­hör­den) seien US-​​Staatsanleihen, auch gerade lang­lau­fende Anlei­hen, nach wie vor Anlei­hen mit höchs­ter Sicher­heit, also sichere Häfen.

Im Refe­renz­sys­tem der Märkte sei es hin­ge­gen zu einer Dif­fe­ren­zie­rung gekom­men.

Inves­to­ren seien welt­weit lange bereit gewe­sen, für US-​​Staatsanleihen (Tre­a­su­ries) einen Auf­schlag, eine Sicher­heits­prä­mie zu zah­len. Das habe die Finan­zie­rungs­kos­ten des Staa­tes gesenkt.

Diese Sicher­heits­prä­mie sei aber seit 2020 bei US-​​Staatspapieren mit lan­ger Lauf­zeit geschwun­den. So seien US-​​Langläufer etwa im Ver­gleich mit Sub­sti­tu­ten wie deut­schen Staats­an­lei­hen nicht mehr teuer. Zudem sei in die­sem Seg­ment die Kor­re­la­tion zwi­schen US-​​Aktien und –Anlei­hen seit 2020 posi­tiv gewor­den, wes­halb Letz­tere das Akti­en­ri­siko nicht mehr absi­cher­ten.

Auch wür­den Inves­to­ren bei kräf­ti­ger Vola­ti­li­täts­er­hö­hung nicht mehr in lang­lau­fende US-​​Staatsanleihen flüch­ten. Bei kür­zer lau­fen­den Anlei­hen sei die­ser Sicher­heits­auf­schlag wie auch die Absi­che­rungs­ei­gen­schaf­ten wei­ter­hin nach­zu­wei­sen. Sicher­heits­ori­en­tierte Anle­ger hät­ten daher zuneh­mend zu kür­ze­ren Lauf­zei­ten umge­schich­tet.

Und hier kom­men dann in Lus­tigs Erklä­rung die unter­schied­li­chen kogni­ti­ven Refe­renz­rah­men von Markt und Poli­tik zum Tra­gen.

Die Märkte bewer­te­ten, so Lus­tig, lang­lau­fende Tre­a­su­ries bei jeder Ver­schlech­te­rung der US-​​Haushalts-​​Lage ten­den­zi­ell als ris­kan­ter und rea­gier­ten auf nega­tive Infor­ma­tio­nen die­ser Art mit Ver­käu­fen, die Kurse fal­len. Der Markt preise dabei nicht pri­mär einen Zah­lungs­aus­fall der USA ein, son­dern Infla­ti­ons– und Dura­ti­ons­ri­si­ken sowie den schwin­den­den Son­der­sta­tus von US-​​Staatsanleihen.

Fed und Finanz­auf­sichts­be­hör­den hiel­ten indes­sen wei­ter­hin über­wie­gend am Modell grund­sätz­lich siche­rer Staats­an­lei­hen über alle Lauf­zei­ten fest. Starke Kurs­schwan­kun­gen im lan­gen Lauf­zeit­be­reich wür­den daher als Markt­fehl­funk­tio­nen inter­pre­tiert, die fun­da­men­tal nicht zu recht­fer­ti­gen seien. Das führe dann zu Markt­ein­grif­fen der Fed, indem sie Anlei­hen auf­kaufe.

Lus­tigs Erklä­rung zufolge ist also im kogni­ti­ven Refe­renz­sys­tem des Mark­tes der Aus­ver­kauf Zei­chen eines funk­tio­nie­ren­den Mark­tes, im Refe­renz­sys­tem der Poli­tik hin­ge­gen Zei­chen eines gestör­ten Mark­tes.

Lus­tig lässt kei­nen Zwei­fel daran, dass die Markt­wahr­neh­mung die rich­tige ist, die Wahr­neh­mung durch die Geld– und Finanz­po­li­tik die ver­zerrte. Dem­zu­folge neigt die Fed dazu, Preis­si­gnale des Mark­tes zu unter­drü­cken, auf die­sem Wege ihre Bilan­zen auf­zu­blä­hen und die dis­zi­pli­nie­rende Funk­tion des Mark­tes auf die Haus­halts­po­li­tik zu sus­pen­die­ren.

Dar­aus resul­tiere schließ­lich finan­zi­elle Repres­sion: Die Zen­tral­bank ermög­li­che es auf diese Weise dem US-​​Staat, sich zu Zins­sät­zen unter­halb des Markt­ni­veaus zu ver­schul­den. Dies sei aber nicht zum Null­ta­rif zu bekom­men: Viel­mehr habe dies die Wir­kung einer ver­steck­ten Steuer zu Las­ten von Anlei­he­gläu­bi­gern und Spa­rern, ins­be­son­dere von ein­kom­mens­schwä­che­ren und jün­ge­ren Per­so­nen. Mit einem sol­chen Umverteilungs-​​Effekt über­schreite aber die Fed ihr Man­dat.