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Air­bus SE 938914

Zivile Luft­fahr­zeuge: Air­bus

Eine von uns erfasste Ver­mö­gens­ver­wal­tung inves­tierte in der Berichts­wo­che in Airbus-​​Aktien. Bei einem Kurs von 194 Euro am Ende der Berichts­wo­che stand die Aktie seit Jah­res­be­ginn ins­be­son­dere auf­grund des Rück­gangs im ers­ten Quar­tal und trotz Erho­lung im Juni rund 10 Pro­zent im Minus.

Den­noch dürfte die Airbus-​​Aktie, trotz einer gewis­sen zykli­schen Abhän­gig­keit, eher zu den Sta­bi­li­sa­to­ren eines Port­fo­lios zäh­len, wenn man den Auf­trags­be­stand als Kri­te­rium wählt.

Der Schwer­punkt der Airbus-​​Geschäfte liegt im Bereich Com­mer­cial Air­craft bzw. Zivil­luft­fahrt, die über 70 Pro­zent am Gesamt­um­satz aus­macht und lang­fris­tig hohe Auf­trags­be­stände hat. Die Heli­ko­pter­sparte (Air­bus Heli­c­op­ters) steu­ert rund 12 Pro­zent zum Umsatz bei und ist u.a. durch lang­fris­tige Ser­vice– und War­tungs­ver­träge sta­bi­li­siert. Auf die Ver­tei­di­gungs– und Raum­fahrts­parte (Air­bus Defence and Space) ent­fal­len etwa 18 Pro­zent des Umsat­zes, aber mög­li­cher­weise steigt die­ser Anteil in Zukunft.

Laut einer aktu­el­len Bewer­tung der Aktie durch JPMor­gan vom 15. Juli habe eine Video-​​Botschaft für Ana­lys­ten im Vor­feld der Quartalszahlen-​​Veröffentlichung (die am 29.07.2026 erfol­gen soll) kaum Neues erbracht, jedoch war man offen­bar mit den Aus­lie­fe­rungs­zah­len sehr zufrieden.Ähnlich urteil­ten am glei­chen Tag die Ana­lys­ten der kana­di­schen Bank RBC. Auch andere Häu­ser beru­fen sich bei ihrer eher posi­ti­ven Ein­schät­zung gegen­wär­tig auf die sehr gute Aus­lie­fe­rungs­men­gen.

Air­bus hat im ers­ten Halb­jahr 351 zivile Flug­zeuge an 77 Kun­den aus­ge­lie­fert – das sind unge­fähr 15 Pro­zent mehr als im Vor­jah­res­halb­jahr. Das Ziel für das Gesamt­jahr von 870 Zivil­flug­zeu­gen bleibt nach jüngs­ten Unter­neh­mens­an­ga­ben beste­hen, das wären für das zweite Halb­jahr ambi­tio­nierte 519 Flug­zeuge bzw. knapp mehr als 85 pro Monat. Im Mai wur­den 81 und im Juni 89 Flug­zeuge aus­ge­lie­fert.

Ins­ge­samt waren die Aus­lie­fe­rungs­zah­len im zwei­ten Quar­tal 2026 deut­lich höher als im ers­ten. Als Grund gab das Unter­neh­men in einem Aus­blick vom 21.07.2026 an, dass sich die Trieb­werks­lie­fe­run­gen sta­bi­li­siert hät­ten. Im ers­ten Quar­tal waren Eng­pässe bei Trieb­wer­ken von Pratt & Whit­ney limi­tie­ren­der Fak­tor.

Ein Risiko für den Airbus-​​Ausstoß sind gene­rell Eng­pässe oder Behin­de­run­gen in den weit­ver­zweig­ten Zulieferer-​​Netzwerken, etwa bei Trieb­werks­kom­po­nen­ten oder spe­zia­li­sier­ten Struk­tur­bau­tei­len oder bei Halb­lei­ter­bau­tei­len für die Bord­elek­tro­nik.

Jeden­falls scheint das zweite Quar­tal, nach allem was man im Vor­feld erfah­ren konnte und das Unter­neh­men bis­lang kom­mu­ni­zierte, deut­lich bes­ser gelau­fen zu sein als das erste Quar­tal.

In Q1 war der Kon­zern­um­satz im Ver­gleich zum Vor­jah­res­quar­tal um 7 Pro­zent auf 12,7 Mrd. Euro zurück­ge­gan­gen: der zivile Sek­tor war sogar um 11 Pro­zent geschrumpft, wäh­rend die Hubschrauber-​​Sparte unver­än­dert geblie­ben war und der Rüs­tungs­be­reich beim Umsatz zule­gen konnte.

Die nicht gerade berau­schende Ent­wick­lung im ers­ten Jah­res­vier­tel drückte den Akti­en­kurs, den das Unter­neh­men durch ein soeben wie­der bekräf­tig­tes Akti­en­rück­kauf­pro­gramm stützt.

Die gute glo­bale Posi­tion von Air­bus im Haupt­ge­schäfts­be­reich der zivi­len Luft­fahrt liegt wohl nicht unwe­sent­lich auch an noto­ri­schen Defi­zi­ten beim ein­zi­gen ernst­haf­ten Wett­be­wer­ber Boe­ing, der seine Pro­bleme mit Qua­li­tät, Zulas­sung und Aus­lie­fe­rung von Flug­zeu­gen lange nicht in den Griff bekam.

Das führte dazu, dass die Posi­tion von Air­bus auch in den USA gestärkt wurde, wo man u.a. aus stra­te­gi­schen Grün­den – um gegen die Win­kel­züge einer US-​​Industriepolitik bes­ser gewapp­net zu sein – Pro­duk­ti­ons­stand­orte errich­tet hat.

Beob­ach­ter spre­chen von einem Burg­gra­ben um Air­bus herum, der sich mit der Zeit ver­grö­ßert habe.

Den­noch scheint Boe­ing lang­sam wie­der die Qua­li­täts– und Repu­ta­ti­ons­lü­cke zu Air­bus zu ver­rin­gern. Boe­ing lie­ferte nach jüngs­ten Anga­ben des Han­dels­blatts („Air­bus und Boe­ing über­ra­schen mit Lie­fer­zah­len“; 22.07.2026; Jens Koe­nen) „in den ers­ten sechs Mona­ten 304 Ver­kehrs­flug­zeuge an Kun­den“ aus.

Im Fokus des Kun­den­in­ter­es­ses ste­hen der­zeit bei Air­bus im zivi­len Bereich der im Jahr 2016 zunächst von der Luft­hansa ein­ge­führte A320neo und vor allem der A321XLR.

Der Air­bus A321XLR revo­lu­tio­niert die Lang­stre­cke, da er bis zu elf Stun­den in der Luft blei­ben kann. Seit Ende 2024 ist der Best­sel­ler im Lini­en­dienst unter­wegs“ heißt es in einem Arti­kel von Andreas Spaeth im Aero­re­port (21.08.2025).

Wei­ter schreibt er: „Über 30 Jahre nach der Ein­füh­rung des Air­bus A321 ist dem euro­päi­schen Flug­zeug­her­stel­ler eine kleine Revo­lu­tion gelun­gen: Äußer­lich kaum ver­än­dert, ver­fügt die neue A321XLR (Xtra Long Range) im Inne­ren über einen zusätz­li­chen Treib­stoff­tank mit einem Fas­sungs­ver­mö­gen von 12.900 Litern – das ent­spricht rund 10,6 Ton­nen Kero­sin. Damit erreicht der Nar­row­body Reich­wei­ten von bis zu 8.700 Kilo­me­tern oder nahezu elf Stun­den Flug­zeit – Werte, die bis­lang Groß­raum­flug­zeu­gen vor­be­hal­ten waren. Und das bei deut­lich gerin­ge­ren Betriebs­kos­ten eines Flug­zeugs mit schma­lem Rumpf und nur einem Mit­tel­gang.“

Offen­bar gibt es zu die­sem Modell in sei­nem „Reich­wei­ten– und Kapa­zi­täts­seg­ment“ der­zeit kein kon­kur­rie­ren­des Flug­pro­dukt auf dem Markt, was für hohes Ver­trauen in einen wei­ter kon­ti­nu­ier­li­chen Auf­trags­ein­gang sorgt.

Es sind sozu­sa­gen die „inne­ren Werte“, auf die es hier ankommt, und die auch die Kun­den gou­tie­ren. Oder, um es auf einer phi­lo­so­phi­schen Höhe aus­zu­drü­cken, die mög­li­cher­weise selbst die Dienst­gip­fel­höhe des A321XLR über­steigt: ein stark ver­än­der­tes Sein in einem wenig ver­än­der­ten Schein bestimmt das Kauf­ver­hal­ten der Kun­den im zivi­len Airbus-​​Segment.

Die Seg­mente mit star­ken Mili­tär­kom­po­nen­ten (Ver­tei­di­gung & Raum­fahrt sowie Hub­schrau­ber) haben wir hier aus Raum­grün­den aus­ge­spart. Bei nächs­ter Gele­gen­heit wer­den wir diese Lücke schlie­ßen.