Akti­vi­tä­ten

Wir beob­ach­ten wie­der etwas mehr Hete­ro­ge­ni­tät im Hin­blick auf die ver­schie­de­nen Pro­dukt­ka­te­go­rien und die ein­zel­nen Pro­dukte als noch vor eini­gen Wochen. Man­che Ver­wal­ter ver­su­chen gegen Ende eher auf Sicher­heit zu spie­len, andere pro­bie­ren es noch­mals mit der Offen­sive. Das ist natür­lich abhän­gig vom aktu­el­len Ergeb­nis.

Käufe

Den ers­ten Platz im Ran­king der Top­käufe bei den Wert­pa­pie­ren gemäß Volu­men nimmt wie­der ein­mal ein Ren­ten­fonds (A0YEEZ) ein. Wir zitie­ren aus der Anle­ger­in­for­ma­tion des von Black­Rock ver­wal­te­ten, halb­jähr­lich aus­schüt­ten­den ETFs: „Der Fonds strebt durch eine Kom­bi­na­tion aus Kapi­tal­wachs­tum und Erträ­gen auf das Fonds­ver­mö­gen die Erzie­lung einer Ren­dite auf Ihre Anlage an, wel­che die Ren­dite des Bar­clays Euro Cor­po­rate 1 – 5 Year Bond Index, des Refe­ren­z­in­dex des Fonds (Index), wider­spie­gelt.“ Dabei strebt das Manage­ment an, soweit „dies mög­lich und mach­bar ist, in den fest­ver­zins­li­chen Wert­pa­pie­ren (z. B. Anlei­hen) anzu­le­gen, aus denen sich der Index zusam­men­setzt“, also in auf Euro lau­tende Unter­neh­mens­bonds mit Investment-​​Grade-​​Rating. Die durch­schnitt­li­che Rest­lauf­zeit der Papiere beträgt 2,89 Jahre, der mitt­lere Kupon beläuft sich auf 3,51% und die Effek­tiv­ver­zin­sung liegt bei 0,81%. Die YTD-​​Performance des Fonds liegt bei 0,32%, die Per­for­mance über ein Jahr bei 0,55%.

Top-Käufe_Gewicht_49-2015

Wen­den wir uns nun dem letz­ten Rang der first five der Topkauf-​​Liste gemäß Depot­ge­wicht zu. Dort konnte sich die Aktie von Impe­rial Tobacco plat­zie­ren. Nicht zum ers­ten Mal gelangte der ver­gleichs­weise hohe Divi­den­den­ren­di­ten ver­spre­chende Titel in eine unse­rer Rang­lis­ten. Wir erwähn­ten bereits in einem frü­he­ren News­let­ter, dass das Papier zu den soge­nann­ten Sin Stocks zählt. Die sind in den Fokus gerückt, seit eine Stu­die von Har­ri­son Hong und Mar­cin Kacper­cyk erst­mals zei­gen konnte, dass Aktien aus den Berei­chen „Tabak“, „Alko­hol“ und „Spiele“ über­durch­schnitt­lich ren­tie­ren. Seit­her wurde das zunächst auf Basis von US– und glo­ba­len Daten zustande gekom­mene Ergeb­nis in wei­te­ren wis­sen­schaft­li­chen Unter­su­chun­gen repro­du­ziert. Man erklärt dies in der Regel damit, dass normativ-​​ethische und Repu­ta­ti­ons­gründe dazu füh­ren, dass große insti­tu­tio­nelle Anle­ger Invest­ments in die genann­ten The­men mei­den. Aus die­ser mora­lisch indu­zier­ten Markti­nef­fi­zi­enz wür­den sich dann Prä­mien für Anle­ger in Sin Stocks erge­ben. Der Puri­ta­nis­mus scheint also über die unhei­lige Tri­ni­tät „Tabak, Alko­hol und Spiele“ auf die Finanz­märkte durch­zu­schla­gen. Eine im Sep­tem­ber erschie­nene Stu­die von Ham­pus Adams­son und Andreas Hoep­ner (The ‘Price of Sin’ Aver­sion: Ivory Tower Illu­sion or Real Inves­ta­ble Alpha?) wider­legt jedoch diese zum Gemein­gut gewor­dene Ansicht. Viel­mehr ver­schwin­det die Über­ren­dite bereits im Modell von Hong und Kacper­cyk (HK), wenn man wei­tere (Risiko-)Faktoren berück­sich­tigt. Wenn man das gleich­ge­wich­tete Subindustrie-​​Portfolio von HK, das von den höher ren­tie­ren­den Small Caps pro­fi­tiert, durch ein  value­ge­wich­te­tes ersetzt, wird der Mehr­er­trag für sün­dige Spiele eli­mi­niert. Mit ande­ren Wor­ten: es ist der Ertrags-​​Vorteil der Small Caps, der die Sünde nur schein­bar zum Pro­fit­fak­tor macht. Aller­dings gilt dies für Alko­hol und Tabak nicht. Des­halb dif­fe­ren­zier­ten Adams­son und Hoep­ner den Pro­dukt­markt der Unter­neh­men wei­ter in: Kon­sum­gü­ter, wozu auch die Tabak– und Alko­hol­bran­che gehö­ren, und in Kon­sum­dienst­lei­tun­gen, wozu „Spiele“ zu rech­nen sind. Auch hier ver­mu­ten sei einen Small-​​Cap-​​Bias. Und in der Tat ver­schwand nun auch der Mehr­er­trag der Tabak– und Alkohol-​​Aktien. Offen­bar erklärt also nicht die puri­ta­ni­sche Sün­den­furcht den Mehr­er­trag, son­dern der über zwei Kanäle (Gewich­tung, Markt­dif­fe­ren­zie­rung) wir­kende ver­bor­gene Effekt von ertrags­rei­chen Small Caps. „Sünde“ wäre inso­fern nur ein Schein­fak­tor. Soll­ten sich die Ergeb­nisse der Stu­die wei­ter bestä­ti­gen las­sen, wäre die Ertrags­kraft der Sin Stocks zwar legen­där, aber eben nur noch als Schi­märe.