Die Mit­tei­lung der EZB in der Berichts­wo­che, die Leit­zin­sen auch wei­ter­hin nicht zu ver­än­dern und das Anleihen-​​Kaufprogramm wie bis­her bis Früh­jahr 2017 oder gege­be­nen­falls auch noch län­ger fort­zu­set­zen, war von den Markt­teil­neh­mern wie auch von Ver­mö­gens­ver­wal­tern, mit denen wir spra­chen, erwar­tet wor­den. Gleich­wohl rea­gierte der Euro-​​Bund-​​Future mit deut­li­chen Kurs­ge­win­nen. Man könnte dazu lapi­dar sagen, dass das, was bloß erwar­tet wird, eben lange nicht so sicher ist wie das, was sich schon ereig­net hat. Den­noch fin­den es viele Markt­be­ob­ach­ter auch aktu­ell wie­der ein wenig selt­sam, dass Infor­ma­tio­nen mit so gerin­gem Über­ra­schungs­wert die Bond­märkte doch rela­tiv stark in Bewe­gung ver­set­zen – was bekannt­lich gleich­falls keine neue Beob­ach­tung ist. Aber viel­leicht gibt es ja zwi­schen­zeit­lich einen mäch­ti­gen unter­schwel­li­gen, von der ratio­na­len Erwar­tungs­bil­dung per Ana­lyse unter­drück­ten Wunsch nach Abkehr von der expan­si­ven Geld­po­li­tik, der sich dann in sol­chen Bewe­gun­gen äußert. Wie auch immer. Es gibt selbst­ver­ständ­lich auch genü­gend andere Ein­fluss­fak­to­ren, die eine Ner­vo­si­tät im Anlei­he­seg­ment erklä­ren kön­nen. Etwa die vor kur­zem lan­cierte Mel­dung, dass die kana­di­sche Rating-​​Agentur DBRS den Aus­blick auf Por­tu­gal in düs­te­re­ren Far­ben malen könnte, da sich hohe Ver­bind­lich­kei­ten, gerin­ges Wachs­tum und schwa­che Moti­va­tion zu struk­tu­rel­len Refor­men gegen­sei­tig ver­stärk­ten. Infolge des­sen, so lau­tete die Befürch­tung, könnte das Rating des Lan­des unter Investment-​​Grade gesenkt wer­den. Dar­auf­hin würde die EZB auf den Kauf por­tu­gie­si­scher Anlei­hen ver­zich­ten, denn Fitch, Moody’s und Stan­dard & Poor’s stu­fen die eins­tige Han­dels– und Welt­macht bereits unter Investment-​​Grade ein. Das ließ kurz­zei­tig die Ren­di­ten für Portugal-​​Anleihen stei­gen.

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Am Don­ners­tag der Berichts­wo­che inves­tierte eine Ver­mö­gens­ver­wal­tung in eine Portugal-​​Anleihe (WKN: A0DY6V), die bis April 2021 läuft. Am Frei­tag­abend der Berichts­wo­che wur­den dann die Ratin­gent­schei­dun­gen von Euro­län­dern ver­schie­de­ner Agen­tu­ren bekannt­ge­ge­ben. DBRS beließ es bei der bis­he­ri­gen Ein­schät­zung Por­tu­gals im unters­ten Investment-​​Grade-​​Bereich (BBB). Dem­ent­spre­chend leg­ten die Kurse por­tu­gie­si­scher Staats­an­lei­hen, auch der Kurs der oben erwähn­ten Anleihe, zu Beginn der neuen Woche deut­lich zu. Inwie­fern die Käufe im Seg­ment der Staats­an­lei­hen in der Berichts­wo­che in Anbe­tracht der erwar­te­ten Ratin­gent­schei­dun­gen auch spe­ku­la­tiv moti­viert waren, ent­zieht sich bis­lang unse­rer Kennt­nis. Betrach­tet man vor dem aktu­el­len Rating-​​Hintergrund die im abso­lu­ten Ran­king erst­plat­zierte Italien-​​Anleihe (A180D7), dann ist fest­zu­hal­ten, dass Fitch den Aus­blick für Ita­lien, wie am Frei­tag­abend der Berichts­wo­che eben­falls bekannt gege­ben wurde, von „Sta­bil“ auf „Nega­tiv“ senkte. Als haupt­säch­li­cher Grund wer­den die vie­len Ver­zö­ge­run­gen bei der gefor­der­ten Kon­so­li­die­rung der Staats­fi­nan­zen ange­führt, was die Glaub­wür­dig­keit des Lan­des unter­mi­niere. Ein Kur­s­im­puls blieb wohl auch des­halb zu Beginn der neuen Woche aus.

Auf dem drit­ten Rang in unse­rer Liste der Top­käufe gemäß Kauf­vo­lu­men ist ein Anleihe-​​Fonds (A1133P) plat­ziert, der in Ren­ten­pa­piere (Unter­neh­mens– und Staats­an­lei­hen) aus Schwel­len­län­dern inves­tiert. Die Wert­ent­wick­lung im lau­fen­den Jahr (bis 24.10.2016) beträgt 5,03%. Der von Neu­ber­ger Ber­man Europe gema­nagte Fonds setzt sich zusam­men aus Kurz­läu­fern (1-​​3Jahre = 56 %, 3 – 5 Jahre = 35,3% des Port­fo­lios), die auf harte Wäh­run­gen lau­ten. Die Mehr­heit davon wird mit BBB (Invest­ment Grade) oder BB (non-​​Investment-​​Grade) bewer­tet, im Durch­schnitt wird jedoch Investment-​​Grade-​​Niveau ange­strebt.