Was ist nega­tiv an nega­ti­ven Zin­sen? Das Vor­zei­chen ganz sicher – aber mit die­ser bana­len Ant­wort am Rande der Albern­heit hört der Kon­sens unter Beob­ach­tern auch schon auf. Und das liegt nicht nur daran, dass es ver­schie­dene Zin­sen gibt und das Wort Zins äqui­vok ver­wen­det wird.

Lange erhielt man etwa von sicher­heits­ori­en­tier­ten Anle­gern auf Fra­gen die­ser Art rund um geld­markt­nahe Pro­dukte und Bonds als Ant­wort zunächst ein Stöh­nen, dann ein wort­rei­ches Kla­gen, dann ein sen­ti­men­ta­les Erin­nern an ver­gan­gene Zei­ten. Inzwi­schen ist unter dem Ein­druck eines Dau­er­zu­stan­des das Lamen­tie­ren dem Bekennt­nis gewi­chen, die Her­aus­for­de­run­gen im soge­nann­ten „Nied­rig­zins­um­feld“ anzu­neh­men, indem man mehr ins Risiko gehe und im wei­te­ren Anla­ge­uni­ver­sum Chan­cen erkunde. Die­ser „kos­mo­fi­nan­ziale“ Blick über den Tel­ler­rand der Fest­ver­zins­li­chen mit hoher Sicher­heit hin­aus ist durch­aus ein posi­ti­ver Push-​​Effekt die­ser Zwangs­si­tua­tion. Die „Kos­ten“ des Lern­ef­fekts: mehr Akti­vi­tät und viel­fach ein höhe­rer Auf­wand der Ver­mö­gens­ver­wal­tung.

Ein wenig anders stellt sich die Ant­wort auf die eben gestellte Frage für viele Makro­öko­no­men dar, die pri­mär den Leit­zins, den Zins für Über­nacht­aus­leihe und den Zins­satz, zu dem Geschäfts­ban­ken bei der EZB Geld anle­gen (Ein­la­gen­zins), im Blick haben. In der Berichts­wo­che hat der IWF eine Stu­die ver­öf­fent­licht, die dem Nut­zen des seit zwei Jah­ren nega­ti­ven Ein­la­gen­zin­ses der EZB nach­ge­gan­gen ist. Die Ant­wort der Auto­ren Jobst und Lin lau­tet kurz zusam­men­ge­fasst: Die nega­ti­ven Zin­sen hät­ten sich ins­ge­samt posi­tiv auf das Finanz­sys­tem und die Wirt­schaft aus­ge­wirkt. Sie stell­ten nun aber – vor allem wenn sie noch tie­fer gesetzt wür­den – zuneh­mend Gefah­ren für die Pro­fi­ta­bi­li­tät der Ban­ken dar und könn­ten damit das Gegen­teil des bis­her Erziel­ten und Beab­sich­tig­ten bewir­ken. Die Zahl kri­ti­scher Stim­men die­ser Art hat in letz­ter Zeit unter dem Ein­druck, dass sich eine als tem­po­rär gedachte Maß­nahme zu ver­fes­ti­gen scheint, stark zuge­nom­men. Diese Kri­tik redet jedoch nicht der Abkehr von der ultra­lo­cke­ren Geld­po­li­tik das Wort. Im Gegen­teil. Denn die IWF-​​Forscher etwa raten, flan­kie­rende Fis­kal­po­li­tik und struk­tu­relle Refor­men zu for­cie­ren und im Übri­gen sich mehr auf Anlei­he­käufe zu kon­zen­trie­ren. Schon vor zwei Wochen hat der Chef der bri­ti­schen Noten­bank Mark Car­ney eine ähn­li­che Posi­tion ver­tre­ten, und auch andere geld­po­li­ti­schen Akteure tei­len diese Sicht. Das hält den Druck auf die Ren­di­ten für Anlei­hen wei­ter­hin auf­recht.

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Wie auf diese chro­ni­sche Situa­tion von uns erfasste Ver­wal­ter mit kon­ser­va­ti­ven Depots inner­halb der Anleihen-​​Klasse rea­gie­ren, dafür sind die Top­käufe gemäß Volu­men in der Berichts­wo­che ein Bei­spiel. Die zweit­plat­zierte, bis Juni 2021 lau­fende Ita­li­en­an­leihe ver­kör­pert mit Baa2 mitt­lere Sicher­heit und ren­tiert aktu­ell (Kurs bei 101,15) mit 0,271%. Immer­hin noch ein posi­ti­ver Wert. Eine andere, kom­ple­xere Wahl stellt der dritt­plat­zierte ETF dar, dem der Commerzbank-​​Bund-​​Future-​​Strategie-​​Short-​​TR-​​Index zugrunde liegt. Stei­gende Kurse des Bund-​​Future gehen mit der Erwar­tung sin­ken­der Markt­zin­sen ein­her, wohin­ge­gen fal­lende Kurse die Erwar­tung stei­gen­der Zin­sen indi­zie­ren. Das Facts­heet erklärt die Short-​​Strategie des Index und damit auch die Erwar­tung des Käu­fers: „Es gilt der fol­gende Zusam­men­hang: Die Stra­te­gie wird fal­len, wenn die Zin­sen im Bereich der 10-​​jährigen Anlei­hen fal­len bzw. die Stra­te­gie wird stei­gen, wenn die Zin­sen im 10-​​jährigen Bereich stei­gen. Die inverse (umge­kehrte) Wert­ent­wick­lung des Bund-​​Future wird auf täg­li­cher Basis annä­hernd eins zu eins abge­bil­det.“

Einen Weg Rich­tung höhe­res Risiko, das durch Streu­ung gemil­dert wird, wei­sen die viert– und fünft­plat­zier­ten Renten-​​Fonds: Der aktiv gema­nagte UBAM – Glo­bal High Yield Solu­tion IH Cap EUR legt im Hoch­zins­seg­ment in Europa und den Ver­ei­nig­ten Staa­ten an. Und der “pas­sive” iSha­res Euro High Yield Cor­po­rate Bond UCITS ETF bil­det den Mar­kit iBoxx Euro Liquid High Yield Index nach.