Die Käufe von 4,97 Mio. Euro in der Berichtswoche verteilten sich auf Aktien (2,78 Mio. Euro), Anleihen (1,64), Zertifikate (0,47); Fonds waren hierbei vernachlässigbar. Damit waren Aktien wieder einmal die favorisierte Assetklasse in der Berichtswoche. Gleichwohl gibt es bei Aktien doch einige Einschränkungen und Fragezeichen. Zwei seien kurz angesprochen.
Stichwort Banken: Die Ergebnisse der als schönfärberisch verdächtigten Bankenstresstests der europäischen Aufsichtsbehörde EBA setzten sich zu Beginn der Berichtswoche zum Teil deutlich in Kursverluste bei Bankenwerten um. Die Deutsche Bank und die Commerzbank müssen weiterhin Nehmerqualität beweisen und gehörten bekanntlich zur Gruppe der Schlechtesten der 51 Geldhäuser, die per Simulation von der EBA „gestresst“ wurden. Das die Institute in der Wirklichkeit einem etwas härteren Dauerstress unterliegen, zeigt sich etwa darin, dass die Deutsche Bank im bisherigen Jahresverlauf der schwächste Titel des Dax ist. Die von uns erfassten Verwaltungen lassen dann auch weiterhin die Finger von diesen Aktien.
Ein weiterer Aspekt, der zunehmend ein wenig rätselhaft erscheint, ist der US-Aktienmarkt. Die Konjunkturaussichten sind für die USA nicht übermäßig optimistisch. Und Aktien in den USA gelten zwischenzeitlich als sehr ambitioniert bewertet. Dennoch scheinen die Kurse im Trend immer weiter zu steigen. Ist das schon der berüchtigte Höhenrausch, der die beschränkte Kraft der Ratio schnell schwinden lässt? Manche Beobachter erklären die gegenwärtige Dynamik mit dem Rückkauf von eigenen Aktien durch US-Unternehmen, der sich derzeit auf Rekordniveau befinden soll. Also Hände weg von US-Aktien?
Zumindest ist das nicht die generelle Antwort der von uns erfassten Vermögensverwalter. In der Berichtswoche griffen einige davon wieder bei US-Werte zu. Etwa bei Apple, Alphabet, HCA oder Northrop Grumman. Auch wenn keines der vier Investments den Sprung in die Top-Kauf-Liste schaffte, werfen sie doch ein Licht auf die mögliche Attraktivität von US-Aktien.
Bei Apple, dem einstigen “Wunderkind” mit global wirksamen pseudoreligiösen Zügen („Kult“), geht es schon länger nicht mehr automatisch himmelwärts. Das liegt u.a. daran, dass das iPhone-Geschäft auch angesichts superbilliger chinesischer Konkurrenten nach unten zeigt. In diesem Jahr musste die Aktie deutliche Verluste hinnehmen. Offenbar versucht das Unternehmen, das steuergünstig Geldreserven von über 230 Milliarden Dollar außerhalb der USA geparkt hat, gerade den Appetit der Anleger durch Ankündigung von Neuerungen u.a. im Bereich TV und Spiele wieder anzuregen.
Was laut manchen Marktbeobachtern in Deutschland für Apple spricht: Das sichere Potential kontinuierlicher Ausschüttungen an Aktionäre. Ob diese Aussicht alle Aktionäre, die in der Vergangenheit von außergewöhnlichen Kursanstiegen verwöhnt worden sind, zufrieden stellen wird?
Auch der unter „Alphabet“ firmierende Google-Konzern bildet ein eigenes Imperium, das jüngst wesentlich dynamischere Wachstumszahlen als Apple vorlegen konnte: „Im abgelaufenen Quartal stieg der Bruttoumsatz auf 21,5 Milliarden Dollar, von denen 3,9 Milliarden an Partner abgeführt wurden, ein Plus von 21 Prozent. Der Nettogewinn summierte sich auf 4,87 Milliarden Dollar nach 3,9 Milliarden im Vorjahr.“ (Handelsblatt, 27.7.2016) Der auf viele Felder ausgreifende Konzern testet derzeit zudem Liefer-Drohnen.
Im Fluggeschäft seit jeher eine feste Größe waren Northrop und Grumman, die sich 1994 zusammenschlossen, wobei auch Northrop-Grumman auf fliegende Waffen spezialisiert ist. Manche Marktbeobachter meinen, die Aktie des Rüstungskonzerns würde von einem Wahlsieg Trumps profitieren. Dieselben meinen auch, dass dann die in der Berichtswoche gleichfalls gekaufte Aktie der HCA Holding zu den Verlierern zählen würde. Denn bei der HCA handelt es sich um einen der größten Krankenhausbetreiber der USA; da Trump die Gesundheitsreform Obamas chirurgisch zu kurieren beabsichtige, wären davon auch diese Unternehmen negativ betroffen.

