Ein­gangs wie­sen wir auf die Ten­denz zur Über­schät­zung der Crash-​​Gefahr hin, die Shil­ler und Kol­le­gen in einer empi­ri­schen Stu­die nach­wie­sen.

Aller­dings ist es nicht so ein­fach, über­haupt zu bestim­men, was ein Crash ist. Meist wird eine Pro­zent­zahl ver­wen­det, die den Kurs­ein­bruch angibt, z.B. 20% pro gewähl­ter Zeit­ein­heit, die nicht allzu lang sein darf.

Eine neue, his­to­risch ange­legte Stu­die des jun­gen fran­zö­si­schen Finan­zöko­no­men David Le Bris zeigt jedoch, dass es güns­ti­ger ist, einen Crash über die Stärke eines Kurs­ein­bruchs im Ver­hält­nis zur Vola­ti­li­tät zu bestim­men. Der Vor­teil die­ser Ver­fah­rens­weise: man kann damit die Wir­kung poli­ti­scher Ereig­nisse auf die Finanz­märkte bes­ser erfas­sen. Betrach­tet man vor die­sem Hin­ter­grund die Ent­wick­lung des bri­ti­sche Leit­in­dex FTSE 100 über die letz­ten 12 Monate, dann fällt auf, dass etwa der Brexit-​​Entscheid ledig­lich einen „Zacken“ nach unten hin­ter­ließ, der im Auf– und Ab des genann­ten Zeit­raums nicht beson­ders her­aus­ragt, der also im Rah­men der mit­tel­fris­ti­gen Normal-​​Volatilität liegt. ,

Das exzep­tio­nelle poli­ti­sche Ereig­nis bil­dete sich also bis­lang nicht exzep­tio­nell im Ver­lauf der bri­ti­schen Akti­en­kurse ab. Würde die viel­fach beschwo­rene kurz– bis mit­tel­fris­tige Rezes­sion der bri­ti­schen Wirt­schaft aber aktu­ell schon ein­ge­preist, soll­ten die Kurse im Trend nach unten zei­gen. So sieht es beim ita­lie­ni­schen Leit­in­dex MIB mit sei­nem rela­tiv hohen Ban­ken­an­teil aus, bei dem der Trend schon über ein Jahr nach unten geht (24.000 Pkte. im August 2015, um die 16.500 aktu­ell).

Ent­spre­chend ungüns­tig und im Grunde dilem­ma­tisch ist die neu­este Ein­schät­zung der Exper­ten des IWF, die als ein zen­tra­les Pro­blem der ita­lie­ni­schen Ban­ken neben den Bilan­zen und den hohen Sum­men an not­lei­den­den Kre­di­ten den Man­gel an gesamt­wirt­schaft­li­chem Wachs­tum iden­ti­fi­zie­ren. Hier kön­nen die Prot­ago­nis­ten einer „exter­nen“, euro­päi­schen Ban­ken­ret­tung auf­grund der Ängste vor einer neu­er­li­chen Finanz­krise leich­ter mit einer Crash-​​Gefahr argu­men­tie­ren – weil die Nei­gung viel gerin­ger ist, es etwa mit Ver­weis auf die Stu­die von Shil­ler und Kol­le­gen auf die Probe ankom­men zu las­sen. Die sub­jek­tiv hohe Crash-​​Gefahr ver­min­dert in die­sem Fall die objek­tive Crash-​​Wahrscheinlichkeit.

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Von unmit­tel­ba­rer Gefahr erken­nen wir aller­dings in den uns gemel­de­ten Käu­fen der Berichts­wo­che nichts. Betrach­ten wir die bei­den Aktien-​​ETFs, die ganz vorne im Ran­king der meist­ge­kauf­ten Wert­pa­pier nach Umsatz­größe ste­hen:

Man setzt bei bei­den auf län­ger­fris­tig divi­den­den­starke Unter­neh­men und damit auf Sub­stanz. Der erst­plat­zierte, aus­schüt­tende „Fonds strebt die Nach­bil­dung der Wert­ent­wick­lung eines Index an, der aus 30 Aktien mit füh­ren­den Divi­den­den­ren­di­ten besteht, die unter Unter­neh­men aus euro­päi­schen Län­dern aus­ge­wählt wur­den.“ (Juni-​​Factsheet) Bei dem Index han­delt es sich um den STOXX® Europe Select Divi­dend 30, der die 30 gemäß län­ger­fris­ti­ger Divi­den­den­ren­dite füh­ren­den Aktien aus dem STOXX® Europe 600 ent­hält.

Dif­fe­ren­ziert man nach Sek­to­ren, dann machen „Finan­ci­als“ aktu­ell über 38% des Fonds aus. Nach Län­dern unter­schie­den liegt das Ver­ei­nigte König­reich mit über 35 % vor der Schweiz (22,8%), Frank­reich (15,44%) und Deutsch­land (7,66%). Der gleich­falls aus­schüt­tende zweit­plat­zierte ETF bil­det einen Index mit divi­den­den­star­ken US-​​Unternehmen ab. Der zugrunde lie­gende Index ist der S&P High Yield Divi­dend Aristo­crats, der die 60 Unter­neh­men des S&P Com­po­site 1500 ® Index mit der höchs­ten Divi­den­den­ren­dite ent­hält, deren Divi­den­den in den letz­ten 25 auf­ein­an­der­fol­gen­den Jah­ren gestie­gen sind.