Wie ein­gangs erwähnt, erwar­ten die meis­ten Finanz­markt­ana­lys­ten und auch die meis­ten von uns befrag­ten Ver­mö­gens­ver­wal­ter zumin­dest eine Zunahme der mit­tel­fris­ti­gen Vola­ti­li­tät auf den Finanz­märk­ten, wobei im Kon­text des Brexit zunächst mit stär­ke­ren Wech­sel­kurs­schwan­kun­gen zu rech­nen sei. Auf erhöhte Vola­ti­li­tät gibt es zwei Reak­ti­ons­mög­lich­kei­ten: Ers­tens die Suche nach mehr Sicher­heit, d.h. nach gerin­ge­ren Ertrags­schwan­kun­gen ins­be­son­dere zur Ver­mei­dung von schwer umkehr­ba­ren Ver­lus­ten, die etwa das für kon­ser­va­tive Anle­ger hoch gewich­tete Ziel des Kapi­tal­er­halts gefähr­den wür­den. Diese Flucht in die Sicher­heit trägt zu einer wei­te­ren Sen­kung der Ren­di­ten der evi­dent als sicher gel­ten­den Anlei­hen bei. Zwei­tens den Ver­such, Vola­ti­li­tät als Chance zu nut­zen. Diese Option, die im Risiko eine Gele­gen­heit sieht, impli­ziert in der Regel auch, „den Markt“ schla­gen zu kön­nen, zumin­dest wenn die Stra­te­gie kurz­fris­ti­ger ange­legt ist. Damit scheint nach unse­rem Ein­druck auch eher die Erwar­tung ein­her­zu­ge­hen, dass sich die Märkte in nächs­ter Zeit bevor­zugt seit­wärts bewe­gen und ten­den­zi­ell nur die Schwan­kun­gen um einen grob erwar­te­ten Mit­tel­wert zuneh­men.

Wer hin­ge­gen mit der Gefahr einer gegen­wär­tig immer wie­der beschwo­re­nen ernst­haf­ten Rezes­sion rech­net, bei der die Mit­tel­werte der erwar­te­ten Erträge auf den Akti­en­märk­ten mas­si­ver ein­bre­chen wür­den, wird ver­mut­lich die Sicher­heits­op­tion wäh­len. Das wären dann etwa auch jene Anle­ger, die einer gerade ver­öf­fent­lich­ten Rezessions-​​Studie der Deut­schen Bank pro­gnos­ti­sches Ver­trauen schen­ken, die aus der redu­zier­ten Ren­di­te­dif­fe­renz zwi­schen kurz– und lang­lau­fen­den US-​​Staatsanleihen auf eine erhöhte Rezes­si­ons­wahr­schein­lich­keit schließt. Aber wie gesagt: Die Lage scheint der­zeit noch kei­nen Reso­nanz­bo­den für nach­hal­ti­gen Pes­si­mis­mus abzu­ge­ben.

Jeden­falls gilt das für die von uns erfass­ten Depots. Wir regis­trier­ten in der Berichts­wo­che kauf­sei­tig eine Domi­nanz der Akti­en­trans­ak­tio­nen: zwei Drit­tel aller Käufe gin­gen auf das Konto von Aktien. Aller­dings kamen Aktien für nur ein Drit­tel des gesam­ten Kauf­vo­lu­mens auf. Reine Akti­en­fonds, die eine Long-​​Strategie ver­fol­gen, wur­den nicht gekauft, was man als Beleg für die Skep­sis gegen­über den brei­ten Märk­ten wer­ten kann. Offen­bar ist bei Aktien in der gegen­wär­ti­gen Markt­phase Selek­ti­vi­tät bei ein­ge­hen­der Prü­fung oder im ver­trau­ten Feld ange­sagt. Bezo­gen auf das Inves­ti­ti­ons­vo­lu­men ergibt sich für die first five bei den Akti­en­käufe die fol­gende Rei­hen­folge: Orkla, Sta­toil, Tele­nor, Pru­den­tial und Nestlé.

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Mit Orkla, Sta­toil und Tele­nor rückt ein Land etwas stär­ker in den Vor­der­grund, das öfters mal über­se­hen wird – bis meist in unsi­che­re­ren Zei­ten nach Alter­na­ti­ven gesucht wird. Dann geht die Suche wei­ter hoch in den Nor­den. Aber es schei­nen weni­ger die Strah­len der Mit­ter­nacht­sonne zu sein, die dabei den Weg wei­sen, als viel­mehr sel­ber leuch­tende Grö­ßen, wie etwa Divi­den­den­ren­di­ten. Orkla ist ein nor­we­gi­scher Misch­kon­zern, der im Industrie-​​, im Nahrungsmittel-​​, im Finanz– und im Medi­en­sek­tor aktiv ist. Orklas Fir­men­ge­schichte wird bis auf das Jahr 1654 zurück­ge­führt – und viel­leicht ist ja schon dies ein Argu­ment für eine gewisse unter­neh­me­ri­sche Nach­hal­tig­keit und Lang­fris­to­ri­en­tie­rung.

Der Kurs der Aktie von Sta­toil, dem Öl– und Gas-​​Unternehmen, an dem der nor­we­gi­sche Staat zu zwei Drit­teln betei­ligt ist, hat im Zuge der fal­len­den Ölpreise bis Anfang die­ses Jah­res deut­lich nach­ge­ge­ben, seit­her aber wie­der auf­ge­holt. Die lang­fris­tige (erwar­tete) Divi­den­den­ren­dite von Sta­toil liegt mit 5% über der von Orkla, die mit rund 3,5% ange­ge­ben wird. Gleich­falls 5% Divi­den­den­ren­dite zahlte 2015 die nor­we­gi­sche Tele­fon­ge­sell­schaft Tele­nor; in den nächs­ten Jah­ren ver­spricht sie noch groß­zü­gi­ger zu sein.