Ganz an der Spitze der Top-​​Käufe nach Trans­ak­ti­ons­vo­lu­men ste­hen die bei­den bereits unter „Märkte und Favo­ri­ten“ erwähn­ten ETFs einer Ver­mö­gens­ver­wal­tung aus einer süd­li­chen Region unse­res Erfas­sungs­ge­biets – das sich nicht an Län­der­gren­zen, son­dern am deut­schen Sprach­raum ori­en­tiert, was bei einem News­let­ter, der auf Deutsch erscheint, sich von sel­ber erklärt.

Den ers­ten Platz in unse­rem Ran­king nimmt ein Emerging-​​Markets-​​Bond-​​Fonds (DBX0AV) der Deut­schen Bank ein. Zugrunde liegt dem ETF der Deut­sche Bank Emer­ging Mar­kets Liquid Euro­bond EUR Hedged Index®, den es nach­zu­bil­den gilt. Der Fonds repli­ziert den Index indi­rekt durch Swaps-​​Transaktionen. Das redu­ziert die Trans­ak­ti­ons­kos­ten und den Tracking Error, ver­ur­sacht aber ein Kon­tra­hen­ten­ri­siko.

Über die Kri­te­rien zur Auf­nahme in den Index weiß das Pro­dukt­in­for­ma­ti­ons­blatt: „Die Anlei­hen müs­sen in Euro, Pfund Ster­ling, US-​​Dollar oder Japa­ni­sche Yen zahl­bar sein und über einen Rück­zah­lungs­zeit­raum von 5 bis 30 Jah­ren ver­fü­gen, wobei bevor­zugt Anlei­hen mit einem Rück­zah­lungs­zeit­raum von um die 9 Jahre aus­ge­wählt wer­den. Der Index wird jähr­lich neu gewich­tet, kann jedoch unter gewis­sen Umstän­den monat­lich ange­passt wer­den.“ Die Anteile der ers­ten fünf Posi­tio­nen nach Län­dern sind aktu­ell: 10,41% Polen; 10,17% Mexiko; 9,59% Bra­si­lien; 9,28% Tür­kei; 9,05% Indo­ne­sien.

Der zweit­plat­zierte ETF von iSha­res ist ein Stra­te­gie­in­dex, der Erkennt­nisse des Factor-​​Investings umset­zen möchte. Dabei ver­sucht man Risiko– bzw. Ertrags­fak­to­ren zu iden­ti­fi­zie­ren, die zu Erträ­gen füh­ren, die jene der übli­chen Standard-​​Indizes über­tref­fen.

Diese Mehr­er­träge wer­den auch als Fak­tor­prä­mien bezeich­net. Basis für die Stra­te­gie des genann­ten iShares-​​ETFs ist der empi­ri­sche Befund, dass Aktien mit gerin­ge­rer Vola­ti­li­tät der Ren­di­ten in der Ver­gan­gen­heit lang­fris­tig höhere Erträge erziel­ten als sol­che mit grö­ße­rer oder durch­schnitt­li­cher Vola­ti­li­tät bzw. Stan­dard­ab­wei­chung.!cid_E0132E34-B716-4698-B92C-656B6F15AB9F@local

An die­ser Stelle ist es sicher nicht ver­kehrt, kurz eine Gauß­sche Nor­mal­ver­tei­lung zu ima­gi­nie­ren, um sich Fol­gen­des vor die geis­ti­gen Augen zu hal­ten: Im Inter­vall (sym­bo­lisch: µ ± σ)   einer Stan­dard­ab­wei­chung σ vom Mit­tel­wert µ nach oben (+) und nach unten (-) befin­den sich in dem zugrunde geleg­ten Zeit­raum T defi­ni­ti­ons­ge­mäß knapp über 68% aller Ren­di­ten.

Vola­ti­li­tät sagt also nichts über ein­zelne Maxi­mal­aus­schläge in T aus, die kön­nen sehr viel grö­ßer sein als eine Stan­dard­ab­wei­chung. Wie wird nun beim zweit­plat­zier­ten Minimum-​​Volatility-​​ETF der Index gebil­det? Die Grund­lage (soge­nann­ter Parent-​​Index) bil­det ein brei­ter MSCI-​​Europe-​​Index, der die Per­for­mance von Unter­neh­men mit gro­ßer und mitt­le­rer Markt­ka­pi­ta­li­sie­rung in 16 ent­wi­ckel­ten Län­dern Euro­pas misst. Aus die­sem wird ein Seg­ment als Refe­ren­z­in­dex des ETF gebil­det. Dabei wer­den die Wert­pa­piere mit den nied­rigs­ten abso­lu­ten Ren­di­te­schwan­kun­gen selek­tiert, wobei ein­schlä­gige Opti­mie­rungs­tech­ni­ken ein­ge­setzt wer­den.

Der Fonds zählt damit zur Smart-​​Beta-​​Klasse, die der­zeit von allen ETF-​​Kategorien am schnells­ten wächst.Allerdings war­nen skep­ti­sche Stim­men vor zu hohen oder fal­schen Erwar­tun­gen.

Die bei­den Finanz­wis­sen­schaft­ler Jacobs und Levy haben letz­tes Jahr im Jour­nal of Port­fo­lio Manage­ment (Sum­mer 2015) u.a. auf fol­gende Punkte hin­ge­wie­sen: Fak­to­ren könn­ten über län­gere Zeit under­per­for­men; sie könn­ten in Zukunft ver­schwin­den oder sogar nicht­be­ach­te­ten Risi­ken zum Opfer fal­len.

In der aktu­ells­ten ver­füg­ba­ren Stu­die zu die­ser ETF-​​Klasse (How Smart are „Smart Beta“-ETFs?) kommt der Finanz­wis­sen­schaft­ler Denys Glush­kov auf der Basis von 164 Smart-​​Beta-​​ETFs des US-​​Marktes zu dem Ergeb­nis, dass diese im Durch­schnitt die risi­ko­ad­jus­tierte Bench­mark nicht schla­gen konn­ten.

Kri­tisch ver­merkt wird vor die­sem Hin­ter­grund dann ins­be­son­dere, dass die Kos­ten der Smart-​​Beta-​​ETFs in der Regel deut­lich höher seien als die der Standard-​​ETFs. Aller­dings lie­gen beim hier zu bespre­chen­den Minimum-​​Volatility-​​ETF die ange­ge­be­nen lau­fen­den Kos­ten von 0,25% im „Normal-​​Bereich“.