Schon letzte Woche fan­den wir Gold auf dem Ein­kaufs­zet­tel einer Ver­mö­gens­ver­wal­tung ver­zeich­net. Die Menge war jedoch zu gering, um es in eine der Rang­lis­ten zu schaf­fen – und das obwohl in der Himmelfahrts-​​Woche kaum gekauft wurde. Daher musste Gold außer­halb unse­res Ram­pen­lichts blei­ben, so dass es im letz­ten News­let­ter nicht ein­mal matt glän­zen durfte.

In der Berichts­wo­che konnte eine Ver­mö­gens­ver­wal­tung aus dem Süden der immer hoff­nungs­vol­le­ren Preis­ge­stalt des Edel­me­talls offen­bar eben­falls nicht wider­ste­hen, und hievte mit ihrem Invest­ment einen Gold-​​ETC (A1EK0G) auf Platz 4 in der Tabelle der Top­käufe nach Umsatz­größe. Im Pro­dukt­in­for­ma­ti­ons­blatt lesen wir: „Der db Phy­si­cal Gold Euro Hedged ETC bil­det die Kurs­ent­wick­lung des Gold Kas­sa­prei­ses abzüg­lich der ETC-​​Gebühren nach und sichert zusätz­lich das EUR/​USD-​​Wechselkursrisiko für Euro-​​Anleger ab.“

An die­ser Stelle möch­ten wir kurz grund­sätz­lich auf Exch­ange Tra­ded Com­mo­di­ties (ETCs) ein­ge­hen. Wäh­rend ein ETF in einen hin­rei­chend diver­si­fi­zier­ten Index anle­gen muss, kann man mit Hilfe eines ETC in ein­zelne Edel­me­talle, Roh­stoffe usw. inves­tie­ren. Die Wert­ent­wick­lung eines ETCs ori­en­tiert sich, wie im ange­führ­ten Fall, am Kas­sa­preis (Preis für die Sofort­lie­fe­rung) oder an einem Futures-​​Preis (Preis für die Lie­fe­rung in der Zukunft). Zwar kann ein ETC wie ein ETF an der Börse gehan­delt wer­den. Aber das inves­tierte Kapi­tal des ETC ist kein Son­der­ver­mö­gen, das bei Insol­venz des Emit­ten­ten geschützt ist. Es han­delt sich viel­mehr um eine Schuld­ver­schrei­bung des Anbie­ters.

Anders als bei einem ETF ist der Anle­ger bei einem ETC daher einem Emit­ten­ten­ri­siko aus­ge­setzt. Um die­ses Risiko mög­lichst klein zu hal­ten, kön­nen ver­schie­dene Metho­den der Besi­che­rung prak­ti­ziert wer­den. Der db Phy­si­cal Gold Euro Hedged ETC etwa ist durch Hin­ter­le­gung von Gold­bar­ren besi­chert (phy­si­sche Besi­che­rung), die in Tre­so­ren bei der Depot­bank lagern. 20_Käufe_Depotgewicht

Dar­über hin­aus ist die­ser ETC auch noch mit einem Währungssicherungs-​​Mechanismus aus­ge­stat­tet, um das EUR/​USD-​​Wechselkursrisiko zu redu­zie­ren, da Gold in US-​​Dollar notiert wird.

 

Wen­den wir uns nun dem Gold „an sich“ zu, dem Basis­wert die­ses ETC. Gold gehörte in den letz­ten Jah­ren zu den gro­ßen Ver­lie­rern. Der­zeit könnte man jedoch mei­nen, dass sich bald die geflü­gel­ten Worte: „die Letz­ten wer­den die Ers­ten sein“ ver­wirk­li­chen. Denn ins­be­son­dere Gold wird von Markt­be­ob­ach­tern immer mehr gelobt, emp­foh­len, als hei­ßer Favo­rit der Zukunft gehan­delt. Für Gold sowie Gold­mi­nen spre­che das erste Quar­tal, in dem sie ganz vorne lagen. Ein neuer Roh­stoff­zy­klus sei im Anmarsch, von dem auch Gold pro­fi­tiere; Gold sei wie­der eine Ver­si­che­rung.

Die dar­ge­bo­te­nen Begrün­dun­gen für den Anstieg des Gold­prei­ses las­sen sich wie folgt ver­ein­facht zusam­men­fas­sen: Die Basis ist die gene­relle Unsi­cher­heit der welt­wirt­schaft­li­chen Lage. Diese werde ver­stärkt durch Zwei­fel an der Kon­junk­tur der bei­den welt­wirt­schaft­li­chen „Ret­tungs­an­ker“ China und Ame­rika; noch mehr trage zur Unsi­cher­heit aber der schwin­den­den Glaube an die Fähig­keit der Zen­tral­ban­ken bei, die „Volks­wirt­schaf­ten“ wie­der auf unab­hän­gi­gen Nor­mal­kurs zu brin­gen.

Bei erhöh­ter Unsi­cher­heit waren lange Anlei­hen eine Flucht­al­ter­na­tive. Deren zwi­schen­zeit­lich gerin­gen bis nega­ti­ven Ren­di­ten hät­ten aber zu einer Renais­sance des Gol­des und ande­rer Edel­me­talle geführt. Denn nun erweise sich deren Nach­teil, keine Zin­sen abzu­wer­fen, par­ti­ell als Vor­teil, da diese dann auch nicht nega­tiv wer­den könn­ten.

Man­che Ver­mö­gens­ver­wal­ter sub­sti­tu­ie­ren bereits Liqui­di­tät als „Park­ge­le­gen­heit“ durch Gold, weil sie damit Straf­zin­sen umge­hen wol­len und spre­chen dabei von einer „Ver­si­che­rung“. Aller­dings muss man sich schon sehr sicher sein, wenn man mit einem so vola­ti­len, spe­ku­la­ti­ven, mythisch bela­de­nen und wei­ter­hin phan­ta­sie­an­re­gen­den Metall wie Gold sou­ve­rän umge­hen möchte. Und was für Pro­fis sicher ist, kann für Nicht­pro­fis den Absturz bedeu­ten – das gilt nicht nur beim Free­clim­bing.